Sat 1, Samstag, 20. Juni: „Jux und Dallerei“

Manche TV-Entertainer haben mehr Verstand und Geschmack, als ihr Job erlaubt. Sie verströmen neben fernsehgerechtem Frohsinn einen geheimen Ekel vor den Usancen ihres Gewerbes, den sie bisweilen als Gemeinheit, Arroganz oder schiefes Grinsen zur persönlichen Note ausbauen. Drei Vertreter dieses Typs, die mir auf Anhieb einfallen, sind Harald Juhnke, Hugo Egon Balder und Karl Dali.

Karl Dall grinst geradeaus, guckt aber schief und bringt in den schäumenden Zischlauten seines S-Fehlers jede Menge Weltekel unter. Seine Grobheiten und Retourkutschen klappen, wie das gar nicht anders sein kann, höchstens jedes zehnte Mal. Der Rest ist unterm Strich und im gnädigen Vergessen bestens aufgehoben.

„To your health – to your dunkels“ tut nicht mal mehr weh, das Bekenntnis aber: „Wir ham uns ’n bißchen inne Sackgasse geredet“ und die Aufforderung an den Talk-Gast: „Wir müssen da wieder rauskommen, indem du was Witziges sagst“ sind spaßiger als alles, was Mircea Krishan zum besten geben könnte. Aber trotz solcher netten Stellen ist Jux und Dallerei Stuß ohne erkennbare Daseinsberechtigung.

Der einzige Grund, diese Sendung einzuschalten, liegt in dem kafkaesken Umstand, daß Gastgeber Karl Dall so aussieht und so redet, als wisse er sehr gut, wie absolut überflüssig und nicht mal mehr fürs Zeit-Totschlagen tauglich seine Sendung ist. Da sitzt der scheeläugige Spaßmacher mit seinem S-Fehler, abgeordnet, um einen Riesenwerbeblock für Kaffee, Kunstzucker, Wodka, Deo, Bier, Salatsoße, Sonnenöl und Benzin einzurahmen, und stellt sich dieser unmöglichen Aufgabe mit der Würde eines ergrauten Zirkuslöwen: „Schwachsinn kommt auch heute noch gut an.“ So ist es.

Karl Dall empfängt in Jux ... die üblichen mehr oder weniger prominenten Gäste; jüngst waren es ein Rennfahrer, eine Rocklady, ein Komiker und ein Kabarettist. Sie alle suchen sich mit Dall zu messen und auch mal einen Punkt zu machen, schaffen es aber selten. Dall liegt immer in Führung, und zwar nicht wegen seiner Visage oder wegen seiner Pointen – die anderen sagen auch mal „was Witziges“ –, sondern einfach, weil er nie lacht. Seine Lippen bringen es äußerstenfalls zu einem milden Grienen ohne Zahnfreigabe, danach maulen sie gleich wieder: „Mircea, warum bist du so fett?“ und schließen gut unter finsterer Braue.

Den Rennfahrer Stuck annoncierte Dall als Co-Kahlköpfigen, als einen, der „auch Werbefläche zu vermieten hat“, und Stuck konterte nicht schlecht mit dem Spruch: „God made a few men sexy and put hair on all the others.“ Aber danach kriegte er, weil er pausenlos feixte, blökte und hampelte, kein Bein mehr auf die Erde, während Dall ruhig abwartete, daß ihm die Lacher in den Schoß fielen. Er brauchte bloß mit Grabesstimme zu fragen: „Warum schehen die Autosch heute alle scho beschischen ausch?“