Berndt Seite ist offenbar ein Mann mit Fortune. Ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger als Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Alfred Gomolka. Der war im März über die Privatisierung des ostdeutschen Schiffbaus gestürzt. Für Seite gerät der Werftendeal dagegen zur großen Erfolgsstory. Sein Bitten und Betteln wurde in Brüssel erhört, der Industrie-Ministerrat der EG gab endlich grünes Licht: Die ostdeutschen Werften dürfen künftig bis zu 36 Prozent des Neubaupreises ihrer Schiffe als Zuschuß kassieren, müssen allerdings im Gegenzug ihre Kapazität um vierzig Prozent reduzieren.

Das ist mehr als erwartet. An der Küste der Ex-DDR herrscht denn auch Hochstimmung. Alle sieben Schiffbaubetriebe werden die Wende voraussichtlich überleben. Was zählen da schon die Bedenken liberaler Ordnungspolitiker, die Subventionen von satten 6,2 Milliarden Mark – in einer schrumpfenden Branche zumal – für einen ökonomischen Aberwitz halten. Berndt Seite dürfte kaum Gewissensbisse bekommen. Er ist angesichts seiner nach wie vor wackligen Position auf kurzfristige Erfolge angewiesen.

Die aber wird der Ministerpräsident bei der Privatisierung eines anderen Sorgenkindes, der Rostocker Elbo Bau AG, kaum erzielen. Nachdem der französische Baukonzern Bouygues in letzter Minute als Käufer absprang, ist auch der von Seite favorisierte Verbundverkauf aller sechs Elbo-Firmen vom Tisch. Klug wäre diese Operation ohnehin nicht gewesen. Denn einzeln lassen sich die Unternehmen viel besser verkaufen als im Verbund. So dürfte zumindest im Falle von Elbo die ökonomische Vernunft obsiegen. neu