Mit einem Desaster endete letztens der Versuch der Liberalen Partei in Kanada, eine interne Abstimmung im Bundesstaat Nova Scotia mit Hilfe moderner Technik zu vereinfachen. Die Politiker hatten mit der lokalen Telephongesellschaft vereinbart, daß jeder Kandidat eine gebührenfreie Telephonnummer und jedes Parteimitglied eine persönliche Identifikationsnummer (PIN) bekommen sollte. Am Tag des Parteikongresses sollte die Telephonwahl so funktionieren: Der Liberale wählt die Nummer seines Kandidaten und wird von einem Computer aufgefordert, seine PIN einzugeben; ein künstliches thank you bestätigt sodann, daß die Stimmabgabe registriert wurde. Die Computerprogramme enthielten jedoch Fehler, und alles ging schief: Verbindungen kamen nicht zustande oder wurden unversehens unterbrochen, die Bestätigung blieb aus, PINs wurden zurückgewiesen – mit anderen PINs hingegen konnte mehrfach abgestimmt werden. Um das Maß voll zu machen, rief auch noch ein Jugendlicher bei einer Radiostation an und präsentierte den Tonbandmitschnitt des Telephongesprächs, in dem die Telephongesellschaft der Parteispitze die Zwischenergebnisse mitteilte. Der Parteikongreß wurde schließlich abgebrochen (Kostenpunkt: mehrere hunderttausend kanadische Dollar). Die Wahl wird demnächst wiederholt – wieder telephonisch, doch zur Sicherheit hält die Partei nun Briefe, Zettel und Urnen bereit.

GvR