Von Marion Gräfin Dönhoff

Bilder sind zum Betrachten da, ob sie nun im Museum oder in einem Schloß hängen, das zur Besichtigung freigegeben ist – so denkt der Laie. Fachmänner in den Schlössern und Museen denken da ganz anders. Zwischen diesen beiden staatlichen Einrichtungen schwelt in Berlin seit langem ein erbitterter Streit.

Worum geht es? Einmal geht es um die Frage des Eigentums: Was gehört wem? Zum anderen geht es um Ideologie oder besser gesagt, um eine Sinnfrage.

Die Probleme mit dem Eigentum gehen zurück auf die Auseinandersetzung zwischen Krone und Staat nach der Abdankung des letzten Kaisers 1918. Damals wurde das preußische Kronfideikommiß-Vermögen beschlagnahmt und seine Verwaltung dem preußischen Finanzministerium übertragen. Die Auseinandersetzung darüber, was Hohenzollernscher Privatbesitz war und was staatliches Vermögen, nahm viel Zeit in Anspruch. Erst 1926 kam ein Vertrag zwischen der preußischen Staatsregierung und dem Generalbevollmächtigten des Hauses Hohenzollern zustande.

Mit dem Vertrag wurde der Staat Eigentümer von 75 einzeln aufgeführten Schlössern und Grundstücken, dem Königshaus verblieben 39 Schlösser und Grundstücke, mit der Auflage, sie zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Um dies zu gewährleisten, wurde dann am 1. April 1927 die Institution "Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten" gegründet und dem Kulturministerium unterstellt. Dazu gehörten beispielsweise das Stadtschloß von Berlin und das in Potsdam, ferner Schloß Charlottenburg, Sanssouci und andere. Damit verblieb den Hohenzollern als Privatbesitz nur das Inventar des zerstörten Hohenzollernmuseums (Schloß Monbijou).

Solange Deutschland geteilt war, gab es zwei Schlösserverwaltungen, eine in Berlin und eine in Potsdam. Jetzt, nach der Wiedervereinigung, muß es heißen: aus zwei mach eins, dann würde die Stiftung heißen "Preußische Schlösser und Gärten Berlin/Brandenburg". Darüber finden zur Zeit Gespräche statt. Viel schwieriger als diese gestalten sich aber die Verhandlungen über den Inhalt der Schlösser, also über die Möbel, Bilder, Teppiche, Skulpturen, die heute zum Teil in den Museen sind. Wie sie dahin gekommen sind?

Im Zuge der Auslagerung während des Krieges und der Sicherstellung durch Amerikaner und Russen gleich danach sind Kunstgegenstände aller Art aus verbombten Schlössern Berlins und Potsdams in die Museen gelangt. Im Jahr 1947 wurde durch Gesetz des Alliierten Kontrollrats das Land Preußen aufgelöst und das Ende Preußens verkündet. Zehn Jahre danach wurde die "Stiftung Preußischer Kulturbesitz" errichtet, um die Kunstgegenstände des untergegangenen Staates Preußen vor der Begehrlichkeit der Länder zu retten und sie schließlich in Berlin wieder zusammenzuführen.