Abwaschbar

Heutzutage werden auch Bücher so gestaltet, daß man sie schon von außen gut leiden kann, ohne überhaupt ihren Inhalt zu kennen. Es gibt Bücher, die sind so niedlich klein, daß sie auch dann gekauft werden, wenn sie sämtliche unregelmäßigen lateinischen Verben beinhalten. Bücher im Format einer Streichholzschachtel. Eher noch kleiner. Da wirkt so zäher Inhalt einfach putzig. Schopenhauer beispielsweise verkauft sich besser in der Taschenbuch-Gesamtausgabe als mit Lederrücken und Goldschnitt. Sehr wahrscheinlich, weil der alte Philosoph als Taschenbuch freundlicher daherkommt und so handlich leichter lesbar zu sein scheint.

Jetzt ist in der Dortmunder Edition Ebersbach ein Buch erschienen, dessen Buchdeckel abwaschbar sind. Der Einband könnte, ja, er könnte aus dem Rest einer schwarzen Pelerine gemacht sein, so einer, wie sie bei Wetter und Sturm gern um Radfahrer herumknattert. In dem Buch geht es um Radfahrerinnen und wie sie als solche durch die Geschichte der Frauen radelten bis auf den heutigen Tag. Sie sei für jede Einrichtung, „welche sozusagen der Frau die Hose in die Hand gibt“, schrieb da zum Beispiel Radfahrerin Minna Abendstern in der Zeitschrift Die Jugend bereits 1896. Doch nicht allen Frauen war es vergönnt, so direkt zur Sache zu kommen. Manche versuchten es auf Umwegen. Wie mache ich aus meinem Rock eine Art Hose, ohne daß der kleine Mann auf der Straße brüskiert ist? So etwa hieß die Frage, die sich viele Radfahrerinnen stellten.

Das Buch „Sie radeln wie ein Mann, Madame“ gibt darauf eine auch heute noch und wieder aktuelle Antwort: „An dem an der Innenseite des Rockvorderteils sitzenden Doppelring ist das Zugseil befestigt; es läuft zwischen den Beinen der Trägerin hindurch zu dem am hinteren Rockteil etwas tiefer sitzenden einfachen Ring, von dort zurück zum zweiten Auge des Ringes und endlich durch ein Loch im Rock nach außen. Bevor die Dame das Rad besteigt, zieht sie an der Schnur oder dem Band; dadurch wird sofort der hintere Teil des Rockes eingezogen, während die beiden Rockseiten in gleichmäßiger Weise nach den Seiten verteilt werden. Die Dame kann nun ihren Sitz im Sattel einnehmen, ohne sich später noch einmal in den Pedalen erheben und das Kleid ordnen zu müssen.“ Haben wir das alle verstanden?