Die Einheit gestalten

Zwanzig Zwerge saßen in den Sesseln des Ostberliner Kinos „Intimes“ und harrten auf „Schneewittchen“. Walt Disneys Klassiker des Zeichentrickfilms besteht aus fünf Filmrollen, sogenannten Akten, von denen der Westberliner Verleiher Vollmann (Geschäftsführer bei den Warner Brothers) jedoch nicht alle anliefern ließ. Dies hatte intime Gründe: Für die Ossis reiche der halbe Film, vernahmen die Zwerge, die ganzen Eintritt bezahlt hatten. Da erglomm in den kleinen Herzen der Funke der deutschen Einheit. Wurden Ostberliner Kinos bisher von ihren westlichen Pächtern gern mit uralten, aber kompletten Kopien beliefert, so verweist der Fall „Schneewittchen“ auf einen neuen Trend: kürzere Vorstellungen, mehr Freizeit.

Nebenfolgen

Sie sollen Kambodscha einmal den Frieden bescheren – vorerst bringen sie wenigstens Geld ins Land. Phnom Penh erlebt derzeit einen wahren Boom, seit die demnächst 20 000 Blauhelme mit bis zu 145 Dollar Tageszulage in ihrem Kaufrausch die Hauptstadt durchstreifen. Nur zum Vergleich: Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in Kambodscha liegt bei kargen 150 Dollar im Jahr. Doch mehr noch als die jäh gestiegenen Preise in Geschäften und Bars verbittert die oft arbeitslosen Bewohner, daß viele jener Geschäftemacher, die nun aus der UN-Friedensmission ihren Honig saugen, lieber Thais und Vietnamesen beschäftigen. Das weckt alte Aversionen gegen die übermächtigen Nachbarn. Schon schürt die Propaganda der Roten Khmer den Unmut über bald eine halbe Million vietnamesischer „Gastarbeiter“. Mancher Diplomat malt bereits einen Teufelskreis an die Wand: Der Reichtum der Friedensengel stärke ungewollt Macht und Moral der kommunistischen Rebellen – und verlängere nur den elenden Bürgerkrieg.

Die wahre Bestie

Die Wahrheit liegt in der Statistik. So dachte der Deutsche Städtetag und legte Zahlen vor, die zur Versachlichung einer schier endlosen Diskussion führen sollen: „Der Hund – beißende Bestie oder treuer Freund?“ Neben weniger wichtigen Mitteilungen (jeder sechste Hund ist ein „Großstädter“) wurde die Öffentlichkeit darüber aufgeklärt, daß die absolut meisten Vierbeiner in Berlin registriert sind: 96 300 – so viele wie in Hamburg, München und Köln zusammen. Die meisten Hunde bezogen auf 1000 Einwohner laufen jedoch durch Hamm in Westfalen, 41 nämlich. Der Städtetag enthüllt auch, daß die Rangfolge der Hunderassen, die wegen Beißens und Zerrens die Polizei zum Einschreiten zwangen, ausgerechnet vom deutschen Schäferhund angeführt wird. Opfer von insgesamt 2650 registrierten Körperverletzungen waren zu rund sechzehn Prozent Kinder bis vierzehn Jahre. Die Vierbeiner entlastet freilich, daß in 95 von 100 Fällen ein Fehlverhalten der Hundehalter festgestellt wurde. Bleibt die Frage: Wer ist eigentlich die wahre Bestie?