Heil Micky!

„Sehr geehrter Herr Dr. Schwarz!“ So beginnt ein Brief, der wenige Zeilen später mit: „Heil Hitler! Ihr stets ergebener...“ endet. So endeten ja viele Briefe in Deutschland zwischen 1933 und 1945. Hier war es der stets ergebene Hans Cürlis, Leiter des NS-Kulturfilm-Instituts.

Den Brief schrieb er im Mai 1941, und er scheint von großer Wichtigkeit gewesen zu sein. Darin heißt es: „Gelegentlich eines Gespräches nach der Vorführung des Schneewittchenfilmes von Walt Disney hörte ich die bestimmt vorgetragene Äußerung, Walt Disney sei Deutscher, er habe Walter Distler geheißen und auch vor vielen Jahren in Deutschland gearbeitet. Mir schien diese angeblich deutsche Herkunft gerade im Hinblick auf die deutschen Märchenstoffe Disneys bemerkenswert.“

Den „Disney-Fans unter der nationalsozialistischen Prominenz“, wir zitieren hier aus dem rororo-Sachbuch „Wie Micky unter die Nazis fiel“ von Carsten Laqua, „konnte noch nicht einmal der Kriegseintritt der, USA den Wind aus den Segeln nehmen. In kleinem Kreis sah man immer wieder die alten Disney-Filme, die im Reichsfilmarchiv lagerten“.

Offenbar kam die Deutsche Zeichenfilm GmbH nicht nach. Ein gewisser Neumann, in diesem Fall Oberregierungsrat Karl Neumann, wußte, warum: „Wenn man berücksichtigt, daß Disney an dem Film Schneewittchen‘ mit 500 Mann zwei Jahre gearbeitet hat, so ist ohne weiteres einzusehen, daß bis zum Beginn der Herstellung abendfüllender Zeichenfilme in Deutschland noch ein weiter Weg ist. Er wird um so weiter sein, je unentschlossener und je weniger zielbewußt man an die klar überschaubare Lösung der Aufgabe herangeht. In diesem Sinne habe ich die Äußerung Minister Goebbels’ in der persönlichen Besprechung am 18. Juli aufgefaßt, in der er sagte, daß es in Deutschland nicht so lange wie bei Walt Disney zu dauern brauche.“

Es dauerte zwölf Jahre.