Zwar war in den Börsensälen mit kreditpolitischen Maßnahmen der Bundesbank schon seit einiger Zeit gerechnet worden, doch eine solch drastische Diskonterhöhung um 0,75 Punkte hatte niemand erwartet. Entsprechend negativ fiel die Reaktion aus. Noch am vergangenen Wochenende verkauften Ausländer in größeren Posten deutsche Standardwerte, am Beginn dieser Woche setzte sich dieser Trend fort. Die lebhaften Umsätze auf dem Kassamarkt ließen erkennen, daß nun auch der deutsche Aktiensparer nervös geworden war. Verstärkt wurde die Abwärtstendenz durch Verkäufe der Deutschen Termin-Börse.

Die Reaktion auf die Diskonterhöhung fiel auch deshalb so scharf aus, weil damit die Hoffnungen auf eine Zinssenkung noch in diesem Jahr zu Grabe getragen werden mußten. Eine konjunkturelle Wiederbelebung in den westlichen Industrieländern ist nun ebenfalls unwahrscheinlich. Beides zwingt die Analysten der Kreditinstitute, ihre bisherigen Gewinnschätzungen zu überprüfen. Dies auch unter dem Gesichtspunkt des extrem schwachen Dollars.

Noch halten sich die Banken mit Ratschlägen zurück. Sie warnen ihre Kunden lediglich, jetzt zu verkaufen. Denn ohne Zweifel hat es beim Abwärtstrend Übertreibungen gegeben. Umstritten ist, ob dies auch bei den Autoaktien der Fall ist. Sie hatten schon vor der Diskonterhöhung unter den Diskussionen über die Einführung einer Autobahngebühr und die Erhöhung der Mineralölsteuer gelitten. Die Anhebung der Kreditzinsen wird zwangsläufig den Autoabsatz beeinträchtigen. Optimisten setzten die Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1. Januar 1993 entgegen, weil diese zu vorgezogenen Käufen führen werde. Mit ähnlichen Argumenten arbeiten die Verfechter der Einzelhandelswerte. Diese könnten die Verluste relativ rasch wieder aufholen, zumal die Warenhäuser durch den niedrigen Dollar billiger importieren können.

Wenig Neigung besteht zur Zeit für Maschinenbauaktien. Die Probleme der Branche werden sich durch den gesunkenen Dollar noch vergrößern. Der Anstieg des Thyssen-Kurses in der vergangenen Woche als Reaktion auf die Aufnahme der Transrapid-Strecke Berlin-Hamburg in den Bundesverkehrswegeplan muß eine Episode bleiben.

Schwierig zu beurteilen ist die Zukunft der Bankaktien, denn die hohen Zinsen werden vermutlich in den Rentenportefeuilles der Institute in diesem Jahr wieder, zu Abschreibungen führen. Außerdem ist zunächst mit einer Einengung der Zinsmarge zu rechnen, da die Einlagenzinsen (Termineinlagen) sich rascher erhöhen werden als die Kreditzinsen. K. W.