Der längste Aufschwung der Nachkriegszeit war zumindest in einer Hinsicht ohne Erfolg: Der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge sind 1992 in den Industrieländern so viele Menschen arbeitslos wie seit zehn Jahren nicht mehr. Immer mehr Arbeitnehmer, vor allem ältere, rutschen in die Dauerarbeitslosigkeit – ohne Hoffnung auf Wiederbeschäftigung, weil Rationalisierung und Strukturwandel ihre Arbeitsplätze überflüssig machen.

Das darf man getrost als Krise des Kapitalismus begreifen: Wo Wachstum zuwenig Arbeitsplätze schafft, wächst der Mißmut. Allein höherem Wachstum nachzujagen wird auch deswegen – nicht nur wegen der steigenden Umweltbelastung – zusehends fragwürdiger.

Zwar würde mehr Mobilität einigen Arbeitslosen helfen. Doch vor allem müssen die Regierungen Ausbildungswege schaffen, die den Arbeitnehmern mehr Flexibilität garantieren. Und sie müssen in ihr Kalkül über Privatisierung und Rationalisierung den entlassenen Fünfzigjährigen einbeziehen, der in seinem Leben keine Arbeit mehr findet. Den Dauerarbeitslosen fehlt nicht nur die Konsumkraft, sondern auch das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit ihrer Staaten. he