DIE ZEIT

Neue Warnung

Aids geht uns alle an. Das hören wir seit zehn Jahren ständig und richten uns in unserem Verhalten dennoch nicht danach. Der schleichenden Virusinfektion fallen vornehmlich die Außenseiter der Gesellschaft zum Opfer, Fixer und Schwule sind gefährdet, so wurden wir belehrt.

Verzweifelt

Ein Schock kann aufrütteln – oder lähmen. In Italien hat das Blutbad, dem der Richter und Mafia-Bekämpfer Paolo Borsellino, kaum zwei Monate nach seinem Kollegen Falcone, zum Opfer fiel, wiederum beides ausgelöst: verzweifelte Kraftakte und fassungslose Ohnmacht eines Staates, der den Rest des Vertrauens seiner Bürger verliert.

Draußen vor Europas Tür

Im Herzen Europas, nur wenige hundert Kilometer von uns entfernt, tobt ein irrsinniger Krieg. Die Opfer dieses Krieges sind jene 850 000 Menschen, die in ihren Städten und Dörfern in Bosnien und Herzegowina eingekesselt sind und hungern.

Worte der Woche

"Ich bin von der Entwicklung in der Tschechoslowakei nicht enttäuscht. Ich habe nicht das Gefühl der Verbitterung, des Unrechts, der Undankbarkeit: Ich habe das Gefühl der Erleichterung, weil ich meinen Prinzipien treu geblieben bin.

Zeitspiegel

Das G-7-Spektakel bleibt für manchen Zeitgenossen ein unvergeßliches Erlebnis. "Das war der Gipfel", schreibt uns ein junger Mann.

Können die Intellektuellen jene geistig-politische Orientierung geben, die Richard von Weizsäcker bei den Parteien vermißt? Der Schriftsteller Günter Kunert, 1979 aus der DDR in die Bundesrepublik übergewechselt, warnt vor Illusionen: Das Gemüt siegt über den Geist

Ganz sicherlich ist in letzter Zeit kein Buch so kontrovers aufgenommen worden wie Richard von Weizsäckers Interview-Band. Seine Formel von der Machtbesessenheit und Machtvergessenheit der Parteien hat, wie nicht anders zu erwarten, den mehr oder minder heftigen Widerspruch der Betroffenen hervorgerufen.

Zum Tode Heinz Galinskis: Ein Mahner

Unbequem war er allen, häufig auch seinen Glaubensgenossen. Unbeliebt wohl auch, bei den Politikern zumal. Manche, die Juden immer noch hassen, haßten auch ihn.

Die Antwort des Kanzlers: Undankbar

Als ein SPD-Abgeordneter Ende Juni in einer formellen Anfrage an die Bundesregierung Auskunft darüber begehrte, wie der Bundeskanzler "die Aussagen des Bundespräsidenten über die praktische Rolle der Parteien in der Gesellschaft und die sich daraus entwickelnde breite öffentliche Diskussion" beurteile, ließ Helmut Kohl antworten: "Es ist ständige Übung, daß der Bundeskanzler nicht zu Äußerungen des Bundespräsidenten öffentlich Stellung nimmt.

Wolfgang Ebert: Wider die Faulheit

Seit dieser unmißverständlichen Schuldzuweisung Geißlers fühlen sich alle Faulpelze von einer schier unerträglichen Gewissenslast bedrückt, denn ihnen wird ja nun alles – von der hohen Arbeitslosigkeit, dem Haushaltsdefizit, den neuen Wahnsinnszinsen bis zur rasant um sich greifenden Politikverdrossenheit – in die Schuhe geschoben.

Atomkraft – non merci

Superphenix heißt er, nach dem mythologischen Silberreiher, der regelmäßig aus der Asche kommt. Doch der Schnelle Brüter Frankreichs sieht nicht so aus, als würde er demnächst abheben.

Helmut, Helmut, Helmut

"Die Filmpolitik, die in Deutschland gemacht wird, ist nicht in Ordnung, weil sie einem nicht das Gefühl gibt, die eigene Arbeit werde erwünscht.

Nach der Vereinigung: Auch die Kaninchenzüchter haben sich vermehrt: Zuchterfolge in Sekundenschnelle

HAMBURG. – Auf Redaktionsvolontäre und andere Schreibanfänger übt die Kaninchenzucht eine geradezu magische Wirkung aus. In seltenen Fällen werden sie von Redaktionsdirektoren losgeschickt, um einen Abend mit den ortsansässigen Züchtern zu verbringen und dann am nächsten Tag sechzig mühsame Zeilen für den Lokalteil auszuschwitzen; meist aber ziehen sie, von einer unsichtbaren Macht getrieben, selbst los, um an den Tierkäfigen vorbeizustreichen, zu sehen, wie die Löffel wedeln, die samtigen Felle atmen, die Näschen nuckeln, die Lichter glänzen, die Hinterbeine klopfen.

Michael Walzers 1983 erschienenes Werk liegt endlich in deutscher Übersetzung vor: Entwürfe einer gerechten Welt

Die sozialphilosophische Diskussion der siebziger und achtziger Jahre ist vor allem durch vier amerikanische Autoren bestimmt worden: durch John Rawls, dessen "Theorie der Gerechtigkeit" zu dem wohl meistdiskutierten Buch der beiden zurückliegenden Dekaden avancierte, durch Robert Nozicks liberalistische Theorie des Minimalstaats, durch James Buchanans kalkülrational fundierten Versuch, die "Grenzen der Freiheit" zu bestimmen, und schließlich durch Michael Walzers umfassende Arbeit über die verschiedenen Sphären der Gerechtigkeit.

Fauler Trick

Kein Zweifel: Die Bahn muß saniert werden. Doch was Bundesverkehrsminister Günther Krause dem Kabinett vergangene Woche als Reformpaket verkaufte, wird zu einem Kahlschlag führen.

Bonner Kulisse

Heinz Ruhnau, Exstaatssekretär im Verkehrsministerium, genoß einen späten Triumph – vermutlich zu früh. Der Anlaß: Die lokale CDU im Bonner Stadtteil Beuel beschloß, auf die Untertunnelung des rechtsrheinischen Ennertberges zur direkten Anbindung Bonns an die Autobahn nach Frankfurt zu verzichten.

Dritte-Welt-Läden: Entbehrlich

Es war einmal ein Traum, der Traum von der Solidarität mit der Dritten Welt: Kaffee aus Nicaragua und Mate aus Argentinien, zu "gerechten" Preisen in Spezialgeschäften feilgeboten, sollte armen und verarmten Ländern im Süden des Planeten auf die Beine helfen.

Arbeitslose: Gefährlich

Der längste Aufschwung der Nachkriegszeit war zumindest in einer Hinsicht ohne Erfolg: Der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge sind 1992 in den Industrieländern so viele Menschen arbeitslos wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Gesundheitsreform: Pünktlich

Nicht schlecht, Horst Seehofer! Gerade erst Gesundheitsminister geworden, aber schon mit allen Wassern gewaschen. Am Wochenende schlug Seehofer Alarm, weil die Beiträge zur Krankenversicherung in diesem Jahr auf dreizehn Prozent steigen könnten.

Markt-Report: Enttäuschte Hoffnungen

Zwar war in den Börsensälen mit kreditpolitischen Maßnahmen der Bundesbank schon seit einiger Zeit gerechnet worden, doch eine solch drastische Diskonterhöhung um 0,75 Punkte hatte niemand erwartet.

Manager und Märkte

Hoesch-Krupp: Galgenfrist für den Vorstand Olympische Spiele: Für 4,3 Millionen Dollar versichert Filmtheater: Ende einer Kino-Ehe

+ Weitere Artikel anzeigen