Mindestens vier Wochen Galgenfrist bleiben dem Vorstand der Hoesch AG, wenn die Hauptversammlung am kommenden Montag die Fusion des Unternehmens mit der Fried. Krupp AG besiegelt. Der Beschluß wird erst durch die Eintragung ins Handelsregister wirksam, und die ist frühestens vier Wochen nach der Hauptversammlung möglich. Danach allerdings gibt es bei Hoesch weder Vorstand noch Aufsichtsrat. Und anders als normale Arbeitnehmer haben die jetzigen Vorstandsmitglieder keinen Anspruch auf Weiterbeschäftigung. Die Bezüge immerhin bleiben bis zum Ende der Vertragslaufzeit gesichert.

Daher dürfte es dem Hoesch-Vorstandsvorsitzenden Kajo Neukirchen nicht schwergefallen sein, auf einen Job bei Krupp von vorneherein zu verzichten. Ob Krupp-Chef Gerhard Cromme ihn überhaupt hätte haben wollen, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt. Ganz offensichtlich nicht will er jedenfalls Gereon Mertens haben, den erst vor einem halben Jahr eingetretenen Hoesch-Finanzchef. Offen ist noch die Zukunft von Verkaufschef Günter Flohr.

Ganz sicher bekommt Hoesch-Arbeitsdirektor Alfred Heese ein Angebot von Krupp. Er hatte eigentlich Ende des Jahres in den Ruhestand gehen wollen, wurde nun aber von Betriebsrat und IG Metall beschworen, als Garant für die Wahrung von Hoesch-Interessen ins neue Unternehmen zu gehen. Heese ist nach anfänglichem Zögern nun wohl dazu bereit, fordert aber ein besonderes Mitspracherecht in der Krupp AG, die – anders als Hoesch – der Montanmitbestimmung nicht unterliegt. Entsprechende Zusagen von Cromme gibt es bisher nicht.

Damit hatte niemand gerechnet: Die Neue Constantin Film in München und die amerikanische Warner Bros, verkündeten lapidar, ihre Kino-Zusammenarbeit "mit sofortiger Wirkung" beenden zu wollen. Als Grund nannten Salah M. Hassanein, Chef der Kino-Tochter von Warner, und Constantin-Manager Edwin Leicht "Unterschiede in der Philosophie".

Erst Anfang 1991 hatten beide zum Schrecken der mittelständischen Filmtheater damit begonnen, ein Netz neuartiger Großkinos in Deutschland aufzubauen. Zwei dieser "Multiplexe" wurden tatsächlich gebaut – Paläste mit zehn und mehr Kinosälen, Bars und Bistros. Differenzen innerhalb der deutschamerikanischen Kino-Ehe wurden allerdings schon dabei sichtbar. Während Warner seinen Gelsenkirchener Bau nach amerikanischem Vorbild relativ billig auf der grünen Wiese hochzog, klotzte Constantin (Besitzer ist der Filmproduzent Bernd Eichinger) beim Kölner "Cinedom" mit bisher einmaligem Pomp. Bei beiden Objekten gab es Probleme. Gelsenkirchen hatte einen äußerst schwachen Start, und beim Cinedom in Köln rätselte die gesamte Branche, wie sich die Baukosten von hundert Millionen Mark jemals amortisieren sollen.

Dazu kam eine schwache Filmkorjunktur. Nach dem Rekordjahr 1991 verloren die Kinos in den ersten fünf Monaten dieses Jahres zwanzig Prozent ihrer Zuschauer. Obwohl beide Partner allein weitermachen wollen, dürften die hochfliegenden Pläne erst mal vorbei sein.

Endspurt für die Eröffnung der Olympischen Spiele am Samstag in Barcelona: Die 15 000 teilnehmenden Sportler bereiten sich auf die Wettkämpfe vor, Sponsoren und Fernsehgesellschaften überschlagen ihre Geschäftschancen – und Wilfried Bächler kalkuliert das Risiko, daß das ganze Medienspektakel überhaupt nicht stattfindet. Bächler ist Leiter des Bereichs Sonderrisiken bei der Münchener Rückversicherungsgesellschaft, dem größten Rückversicherer der Welt: Bei ihr sind die Versicherungen versichert, die die Olympiade versichert haben.