Die Enthüllung des Denkmals für den britischen Luftmarschall Harris im Frühjahr hat die Diskussion über die Terrorbombardements im Zweiten Weltkrieg wieder aufleben lassen. Das Beispiel der Zerstörung Hamburgs im Juli 1943 zeigt, wie sich der strategische Bombenkrieg auswirkte

Von Manfred Asendorf

Die Entscheidung fiel am 14. Februar 1942: An diesem Tage wurde das Bomber Command der Royal Air Force (RAF) angewiesen, künftig seine Operationen gegen „die Moral der feindlichen Zivilbevölkerung, insbesondere der Industriearbeiter“ zu richten. Damit hatte die britische Regierung unter Winston Churchill gegen starke Bedenken von Armee und Marine dem Drängen der Luftwaffe stattgegeben, dem, wie es inoffiziell deutlich und richtig hieß, „Terrorbombenkrieg“ Priorität einzuräumen.

Denn man hoffte zu einem Zeitpunkt, da England über keine andere Offensivwaffe als das Bombergeschwader verfügte, den Feind „schnell und vernichtend“ schlagen zu können, wenn man den Krieg durch wahlloses Bombardement in die am dichtesten bebauten Wohngebiete des Feindes trug. Das versprach der wenige Tage danach zum Befehlshaber des Bomber Command ernannte Luftmarschall Arthur T. Harris (später Sir Arthur) dem in der Klemme steckenden Premier.

Harris hatte nach dem Ersten Weltkrieg in Indien, im Irak und schließlich – während des englisch-jüdisch-arabischen Konflikts – in Palästina und Transjordanien Bombereinsätze geleitet, um, wie er sich später ausdrückte, „der britischen Armee die Vorzüge und den Rebellen die Effektivität der Air Force beizubringen“, das hieß, Aufstände niederzuschlagen und „Ruhe und Ordnung“ wiederherzustellen.

Die Entscheidung zur „strategischen“ Luftoffensive gegen Deutschland war aber gerade umgekehrt – ein Widerspruch, der Harris nicht störte – mit der Erwartung verknüpft, unter der Zivilbevölkerung Hysterie und Panik und sogar einen Aufstand gegen das Naziregime auszulösen. Hatten nicht die Deutschen selber – ihre Politiker, Militärs und Historiker – immer wieder warnend und anklagend darauf hingewiesen, daß der Erste Weltkrieg durch den moralischen Zusammenbruch der Heimatfront, durch den „Dolchstoß“ in den Rücken der Armee, verloren wurde? Warum sollte man dem Dolchstoß nicht durch Bomben nachhelfen können?

Unbestritten wären ohne die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges durch Hitler-Deutschland unsere Städte nicht zerstört worden. Allerdings wurde die englische Strategie des Luftkrieges schon Jahrzehnte vorher entwickelt. Diese Erkenntnis wird freilich dadurch erschwert, daß es Deutschland war, das mit massiven Bombenangriffen begann und somit den Briten den Vorwand lieferte, „die Handschuhe auszuziehen“. Die internationale Luftkriegsforschung ist sich aber darin einig: Die Bombardierung Coventrys im November 1940, der 554 Menschen zum Opfer fielen, war trotz blutrünstiger Reden Hitlers und trotz der englischen Kriegspropaganda kein Angriff im Sinne einer strategischen Terrorisierung der Bevölkerung.