Als "Retter der Waisen" wollten sie gefeiert werden, doch nicht als Helden kehrten Karsten Kolle und Jürgen Angelbeck aus Sarajevo zurück. "Abenteurertum" und "Profilierungssucht" wird den beiden Landtagsabgeordneten aus Sachsen-Anhalt vorgeworfen. Die von ihnen geplante Evakuierung verlief tragisch und glücklich zugleich: Zwei Kinder wurden bei einem serbischen Uberfall getötet; immerhin 42 Kinder haben bis zum Ende des Krieges eine sichere Bleibe in Ostdeutschland gefunden.

Wer in Sarajevo ohne Mithilfe der Vereinten Nationen und gegen den Rat des Bonner Außenministeriums handelt, darf sich nicht wundern, wenn die Heldenfeier ausfällt. Der Versuch der beiden Parlamentarier, sich in den Vordergrund zu spielen, hat zu einer leichtfertigen Unterschätzung der Risiken geführt.

Aber es ist billig, nun allein auf sie einzudreschen. Die wahre Schuld am Tod der beiden Kinder tragen mordgierige Heckenschützen. Auch die internationale Gemeinschaft verdient Kritik. Solange sie zu keiner großzügigen Flüchtlingspolitik und wirksamen humanitären Hilfsaktion auf dem Balkan fähig ist, provoziert sie hilfloses Mitgefühl – und politische Abenteurer. ko.