Beide Modelle führten freilich erst recht zu einer Zwei-Klassen-Medizin. Wer gut verdient, kann sich gut versichern und wird gut behandelt. Den kleinen Leuten bleibt dann nur noch eine Minimalmedizin. Dabei sind die volkswirtschaftlichen Kosten insgesamt nicht niedriger. Denn die Luxusmedizin steht nicht so sehr unter dem Zwang zum Sparen, und daher können die Ärzte höhere Preise fordern. In Amerika sind die Gesundheitsausgaben – freilich ohne ein Solidarsystem zu strapazieren – so hoch wie nirgendwo sonst, obwohl große Teile der Bevölkerung versorgt werden wie in der Dritten Welt.

In Deutschland dagegen sind die Unterschiede gering. Auch Arme können darauf vertrauen, daß ihnen nichts Wesentliches vorenthalten wird. Das ist wertvoll genug, um das Solidarsystem trotz aller Probleme zu erhalten. Gleichwohl muß man sich mit den zu hohen Kosten nicht abfinden. Es gibt genug Sparreserven. Seehofer aber schöpft sie nicht aus. Sein Konzept muß mit einer neuen Ärztemedizin und einer Kassenreform verknüpft werden.