Von Gunhild Freese

Man mag es kaum glauben: Da bekundet das mit Abstand größte Handelshaus der Republik, noch ein bißchen größer werden zu wollen – und niemand regt sich darüber groß auf. Als der Großhändler Metro in der vergangenen Woche beim Bundeskartellamt seinen Einstieg mit über fünfzig Prozent beim Saarbrücker SB-Warenhauskonzern Asko anmelden ließ, blieb das öffentliche Echo fast unhörbar.

Dabei wird mit der Fusion Metro/Asko ein Handelskoloß mit Umsätzen von annähernd siebzig Milliarden Mark entstehen. Der nächstgrößere Konkurrent, die Kölner Lebensmittel-Filialkette Rewe, ist gerade mal halb so groß.

Wenn ein Unternehmen in seiner Branche eine solche Dominanz erreicht, sollten eigentlich die Alarmglocken schrillen. Ein Unternehmen ist schließlich keine reine Privatveranstaltung seiner Eigentümer: Firmen nehmen Einfluß auf Märkte, Konkurrenten, Regionen und Arbeitsplätze. Die Metro jedoch entzieht sich mit großem Geschick jeder öffentlichen Kontrolle. Sie folgt ihren eigenen Gesetzen.

Wer fühlt sich bei dem jüngsten Coup überhaupt noch angesprochen? Die

Presse hat Öffentlichkeit herzustellen; das gilt erst recht im Falle der stets im stillen agierenden Metro. Schon im Frühjahr hatten die Zeitungen erste Gerüchte über die bevorstehende Elefantenhochzeit verbreitet. Doch der Brautvater, der mächtige Metro-Manager Erwin Conradi, verwies die Gerüchte ins Reich der Spekulation. Jetzt vollzieht er, was ohnehin schon jeder wußte.

Und die Politiker in Bonn? Immerhin gibt es ein Wirtschaftsministerium mit Kompetenzen für Ordnungs- und Wettbewerbspolitik. Das aber sieht dem Größenwahn im Handel schon seit langem regungslos zu. Dem Metro-Mächtigen werden überdies gute Beziehungen zur FDP nachgesagt, die – welch glücklicher Umstand – stets den Wirtschaftsminister im Bonner Kabinett zu stellen hat. Aber nicht einmal vom Gesetzgeber, dem Bonner Parlament, ist angesichts dieser Mammutfusion ein Aufschrei oder gar eine Gesetzesinitiative zu erwarten. Wir haben gerade Sommerpause.