Die Bevölkerung

In Kuwait lebten 1989 zwei Millionen Einwohner auf einem Staatsgebiet von der Größe Sachsens. Hauptstadt ist Kuwait City. Bis zur Besetzung durch irakische Truppen im August 1990 waren 72 Prozent der Einwohner Ausländer (20 Prozent Palästinenser, 6 Prozent Ägypter, 5 Prozent Iraker, 4 Prozent Perser, 3 Prozent Inder und 2 Prozent Pakistaner). Ausländer sind im reichen Kuwait als Arbeitskräfte unentbehrlich, die Einbürgerung aber wird ihnen, auch nach langem Aufenthalt im Land, fast unmöglich gemacht. Nach der Befreiung sollen nun auch 45 000 der ehemals 110 000 ausländischen Staatsangestellten nicht mehr beschäftigt werden.

Verfassung und Verwaltung

Von 1899 an stand Kuwait unter britischer Schutzherrschaft. Erst im Juni 1961 erhielt es seine volle staatliche Unabhängigkeit. Nach der Verfassung vom 11. November 1962 ist Kuwait Emirat mit Anlehnungen an westliche parlamentarische Verfassungsmuster. Der Islam ist Staatsreligion. Die Exekutivgewalt liegt laut Verfassung in den Händen des Emirs, der aus und von der herrschenden Dynastie gewählt wird. Er ernennt den Premierminister und die übrigen Minister. Hochrangige Kabinettsposten sind traditionell mit Mitgliedern der Herrscherfamilie besetzt. Die Legislativgewalt liegt bei einem 50köpfigen, für jeweils vier Jahre gewählten Ein-Kammer-Parlament. Die Verfassung garantiert freie Wahlen alle vier Jahre, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Schutz vor staatlicher Willkür, Gewerkschafts- und Pressefreiheit. Der Emir kann das Parlament auflösen. Im Juli 1986 tat er das. Verfassungsrechte wurden außer Kraft gesetzt, einschließlich der Bestimmung, innerhalb von zwei Jahren Neuwahlen durchzuführen.

Seit Juni 1990 fungiert ein 75 Mitglieder umfassender Nationalrat; 25 Mitglieder davon werden vom Emir bestimmt. Die übrigen 50 werden für vier Jahre gewählt. Wahlberechtigt sind in Kuwait geborene männliche Kuwaiter über 21 Jahre, ausgenommen öffentliche Bedienstete und Angehörige der Polizei. Wahlberechtigt sind somit 90 000 von 800 000 Staatsbürgern. Im April 1991 wurde ein Übergangsparlament eingesetzt; im Oktober 1992 sollen Parlamentsneuwahlen stattfinden.

Parteien sind nicht zugelassen. Das Spektrum der Opposition reicht von radikalen Sunniten bis zu säkularen und bürgerlichen Organisationen. Sie gilt als gemäßigt.

Die Wirtschaft

Dank der riesigen Ölvorräte gehört Kuwait zu den reichsten Ländern der Welt. In den Zeiten des Ölbooms konnten Devisenreserven im Ausland angelegt werden, im Wert von 125 Milliarden US-Dollar. Mehr als 40 Prozent sind in den USA, 35 Prozent in Europa (Großbritannien, Bundesrepublik Deutschland und Spanien) und der Rest in Japan, Südostasien und Australien investiert. Die jährlichen Kapitalerträge aus den Auslandsguthaben beliefen sich vor dem 2. August 1990 auf rund 15 Milliarden US-Dollar. Damit überstieg dieser Betrag die jährlichen Erlöse aus den Erdölexporten. Vor der irakischen Okkupation betrug die jährliche Erdölförderung 58,4 Millionen Tonnen. Der Handelsbilanzüberschuß kam 1989 auf 5,2 Milliarden, das Bruttosozialprodukt auf 23,6 Milliarden US-Dollar. Für die Wiederherstellung der zerstörten öffentlichen Einrichtungen wie Kraftwerke, Ölförderanlagen, Verwaltungsgebäude und Schulen werden in den kommenden fünf Jahren etwa 30 Milliarden US-Dollar benötigt. Der vollständige Wiederaufbau des privaten Sektors wird schätzungsweise das Siebzehnfache verschlingen. Das benötigte Kapital soll durch Verkauf von Anlagewerten aus Auslandsinvestitionen, deren Beleihung, Bankdarlehen, Verpfändung zukünftiger Erdöllieferungen, Ausnutzung staatlicher Exportkredite und durch Inanspruchnahme von Mitteln des IWF und der Weltbank beschafft werden.