Diese Olympischen Spiele sind die Hölle. Gerade noch hatten wir am Satz eines ARD-Reporters zu würgen ("Nach hinten hinaus kann sie beschleunigen, Petra Roßner, Studentin der Ernährungswissenschaft"), da macht sich ein ZDF-Poet über ein anderes deutsches Goldmädel her: "Silke Renk hat das Ding mit acht Zentimetern im allerletzten Moment rausgekitzelt." Dies beweist, daß die deutschen Fernsehreporter ganz gewaltig nach vorne hinaus zu beschleunigen vermögen.

Aber es gibt auch viele glückliche, geradezu reizende Momente. Der schönste: als in "heute" Peter Hahne (der Mann, den nichts erschüttern kann) das Wort übergab an Sissy de Maas (die Frau, die immer so aufgeregt ist). Barcelona heißt die Kampfstätte, Barcelona mit gelispeltem "C", und in banger Vorahnung des kommenden sprechtechnischen Problems geriet Hahne schon beim Namen "Sissy de Maas" ins Stolpern und Lispeln.

Dieses wiederum bringt uns auf die olympische oder auch nacholympische, jedenfalls prima Idee, den schönen Lispellaut, das spanische "C", in die deutsche Sprache behutsam (ob von hinten oder vorn) einzuführen. Das gäbe unserer strengen deutschen Muttersprache (die ja eher wie eine Vatersprache klingt) einen Zug ins Kesse, sagen wir ruhig: ins Erotische.

Probleme bei der Umschulung sehen wir nicht. Nach unseren Recherchen trägt ohnehin jeder deutsche Halbwüchsige und jeder zweite deutsche Vollwüchsige eine Zahnspange, also einen Lispelapparat. Längst haben die Lispler und Zischler, die Näsler und Knödler die Übermacht gewonnen über die verschwindende Minderheit der korrekt artikulierenden Mitbürger. Kaum noch ein Deutscher ist des hochdeutschen Dialektes mächtig.

Wir brechen ab und schreiten zur Tat. Übung für Anfänger: fünfzigmal hintereinander "Sissy de Maas" sagen. Übung für Fortgeschrittene: diese ganze Glosse (die genau 97 Lispelgelegenheiten enthält) laut lispelnd vorlesen, am besten im Kreise der lb. Familie.

Wie schon der Dichter sagte: Von der Lippe heiß, rinnen muß der Schweiß. Wir wollen sein ein einzig Volk von Lisplern. Finis