Von Holger Doktor

Das Doktorwerden ist eine Konfirmation des Geistes", schrieb Georg Christoph Lichtenberg. Zu seiner Zeit konnte man noch aller Konfirmationen teilhaftig werden. Die wenigen Dissertationen, die in der Zeit der Aufklärung geschrieben wurden, machten den Überblick leicht.

Exakt 22 372 Promotionen zählte das Statistische Bundesamt 1990 in ganz Deutschland. Inzwischen darf wohl jeder hundertste Deutsche die begehrten zwei Buchstaben mit dem Punkt im Namen tragen. Doch vorher muß jeweils die schriftliche Arbeit veröffentlicht sein. Alle Promotionsordnungen verpflichten die Doktoranden, ihre Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Konkret bedeutet dies: Die Promovenden müssen zahlreiche Pflichtexemplare bei der Universität abliefern. Diese Pflicht hat ihren Preis. Das Verlegen ist teuer, es übersteigt oft die Zehntausend-Mark-Grenze. Zwei Hamburger Kunsthistorikerinnen mußten sogar sechzig- und siebzigtausend Mark aufbringen, damit ihre dicken Bücher in ansprechender Aufmachung erscheinen konnten.

Je nach Fakultät und Hochschule gibt es erhebliche Unterschiede. Naturwissenschaftler und Mediziner kommen meist gut weg. Ihre Promotionsordnungen sehen geringe Pflichtzahlen vor oder erlauben die Veröffentlichung der oft nur kurzen Elaborate in Fachzeitschriften.

Bei den meisten Geistes- und Kulturwissenschaftlern sind mehrere hundert Seiten dagegen keine Seltenheit. Der Druck von 150 Pflichtexemplaren, wie sie etwa Tübinger Historiker oder Hamburger Politologen abliefern müssen, kostet schnell zwei- bis dreitausend Mark. Zu den preiswertesten Methoden zählt das Kopieren. Die heute größtenteils mit einem Computer geschriebenen und dann mehr oder minder gut ausgedruckten Arbeiten werden in Copyshops vervielfältigt, gebunden und dann abgegeben.

Um einige hundert Mark billiger ist die Verfilmung auf Mikrofiche. Auf eine dieser Plastikkarten passen 98 DIN-A4-Seiten. Eine spätere Reproduktion in Papierform kostet zukünftige Leser dann aber eine Stange Geld. Die Plastikbücher werden unter anderem deshalb nur von denen gelesen, die es unbedingt müssen – meist andere Doktoranden, die zum gleichen Thema arbeiten.

Am teuersten, aber auch am solidesten ist das Buch. Nur mit dem sinnlich faßbaren Objekt in der Hand "glauben Onkel oder Großmutter, daß sich ihre jahrelange finanzielle Unterstützung für den Neffen oder die Enkelin gelohnt hat", spottet Antonius Jammers, Ministerialrat im nordrheinwestfälischen Wissenschaftsministerium. Doch die Drucklegung fordert ansehnliche Beträge. Buchverlage verlangen meist zwischen 2000 und 15 000 Mark.