Von Udo Perina

Streiken die Investmentsparer? In den vergangenen Monaten ist die Nachfrage nach deutschen Wertpapierfonds dramatisch gefallen. Während die Anleger in den ersten drei Monaten dieses Jahres noch die stolze Summe von 6,5 Milliarden Mark in inländische Aktien- und Rentenfonds gesteckt haben, waren es von April bis Juni gerade noch 180 Millionen Mark. Die Schuld an dem Einbruch schieben die Investmentfirmen auf die Politiker in Bonn. Die hätten mit ihrer Diskussion um die künftige Zinsbesteuerung die Sparer verunsichert und sie zur Flucht nach Luxemburg getrieben, meint der Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI).

Indes: Die Investmentfirmen haben keinen Grund, sich zu beschweren. Die Umsätze, die ihnen in Deutschland verlorengegangen sind, haben sie über ihre Tochterunternehmen im Fluchtland Luxemburg wiederaufgefangen. Allein im zweiten Quartal flossen den deutsch-luxemburgischen Wertpapierfonds 7 ,3 Milliarden Mark zu. Ihr Vermögen beläuft sich inzwischen auf 48 Milliarden Mark. Das sind bereits 36 Prozent der Summe, die die deutschen Fonds sich in vierzig Jahren mühevoller Arbeit im Inland aufgebaut haben.

Die neuen Angebote aus Luxemburg haben allerdings wenig an den starren Markt- und Machtverhältnissen in der deutschen Fondsbranche verändert. In Luxemburg wie in Deutschland wird der Markt von fünf großen Unternehmen beherrscht, hinter denen die führenden Großbanken, die Genossenschaftsbanken und die öffentlichen Sparkassen stehen:

  • Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen DWS, Deutsche Bank;
  • Deutscher Investmenttrust DIT, Dresdner Bank;
  • Allgemeine Deutsche Investmentgesellschaft Adig, Commerzbank und Bayerische Vereinsbank;
  • Union-Investment-Gesellschaft, Genossenschaftsbanken;
  • Deutsche Kapitalanlagengesellschaft Deka, Sparkassen.

Diese fünf Giganten und ihre Luxemburger Töchter vereinen in diesem Jahr 86 Prozent des gesamten Neugeschäftes der Fondsbranche auf sich. Allein die DWS kassierte 6,30 Milliarden und die Deka 4,31 Milliarden, die Adig 3,30 Milliarden Mark, auf die Union entfielen 2,22 Milliarden und auf den DIT 2,17 Milliarden Mark.

Größe ist im Fondsgewerbe allerdings kaum mit Leistung gleichzusetzen. Zwar sind in den Performance-Hitlisten auf den vorderen Rängen fast immer auch Fonds der DWS und des DIT zu finden, (DIT-fonds für Vermögensbildung, Investa, Concentra, DIT-Eurozins, Inter-Renta und so weiter). Aber Unternehmen wie Adig oder Deka können offenbar leichter Spitzenergebnisse beim Verkauf erzielen als bei der Vermögensverwaltung.