Von Robert M. Hayden

PITTSBURGH. – Das Versagen der internationalen Gemeinschaft auf dem Balkan erfordert ein Überdenken des gesamten Problems. Neue Wege müssen beschritten werden, um dem Gemetzel im ehemaligen Jugoslawien endlich Einhalt zu gebieten. Die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft sollten einsehen, daß es falsch war, die auseinanderfallenden jugoslawischen Republiken als unabhängige Staaten anzuerkennen. Denn trotz dieses Versuches, den Konflikt zu internationalisieren und ihn dadurch zu beenden, dauert der Bürgerkrieg unvermindert an.

Und schlimmer noch: Durch die neuen, "unverletzlichen" Grenzen der unabhängigen Staaten wurden Familien auseinandergerissen und viele Serben und Kroaten von ihren Mutterrepubliken abgeschnitten. Viele Männer und Frauen aus Mischehen wurden plötzlich zu Fremden im eigenen Land und in der eigenen Familie, oft sogar zu einer verachteten Minderheit.

In allen neuen Republiken gewann bei den Wahlen im Jahre 1990 nicht etwa die Demokratie, sondern der Chauvinismus: das Versprechen der Mehrheit nämlich, gegenüber den lokalen Minderheiten hart durchzugreifen. Zwar konnten die Wahlen mit dieser Taktik gewonnen werden, doch die Legitimität der neuen Regierungen unterscheidet sich kaum von Hitlers gewählter Regierung im Jahre 1936. Solange sie im Amt bleiben und entschlossen sind, beispielsweise die Serben in Kroatien oder aber die Albaner in Serbien zu vernichten, haben diese Gruppen keinen Anlaß, ihre Waffen niederzulegen.

Um die Kämpfe zu beenden und eine friedliche Lösung auszuarbeiten, müßten folgende Initiativen eingeleitet werden:

1. Die Anerkennung der unabhängigen jugoslawischen Republiken sollte zurückgezogen, deren Teilnahme an internationalen Gremien widerrufen werden.

2. Jede Republik sollte aufgefordert werden, ihre bewaffneten Einheiten – die offiziellen wie die paramilitärischen – der direkten Kontrolle der Vereinten Nationen zu unterstellen.