John Kenneth Galbraith zieht ein trauriges Fazit. Des öfteren in seiner Laufbahn hat sich der amerikanische Ökonom mit den großen Spekulationswellen der Wirtschaftsgeschichte befaßt und kommt zu der Erkenntnis: Die Menschen lernen nichts dazu. Immer wieder lassen sie sich von scheinbar neuen Ideen oder Produkten zur Spekulation verführen. Unweigerlich, sagt Galbraith, folgt solchen Massenhysterien der Crash.

Kurz und präzise läßt der Altmeister die Zusammenbrüche Revue passieren. Schon Anfang des 17. Jahrhunderts wurde Holland vom Spekulationsfieber erfaßt – das zweifelhafte Objekt der Begierde waren exotische Tulpenzwiebeln. Kurz bevor der Markt schlagartig zusammenbrach, waren die Zwiebelkurse nach heutigem Geldwert auf bis zu 100 000 Mark pro Stück gestiegen.

Oder der Südseeschwindel ein Jahrhundert später. Britische Anleger setzten auf eine Aktiengesellschaft, die exklusiv den Handel Großbritanniens mit Südamerika betreiben durfte. Der Aktienkurs stieg in den Himmel – bis zum Zusammenbruch. Dem Unternehmen, das für die Konzession auch noch britische Staatsschulden übernommen hatte, fehlte die Grundlage; Spanien hatte den Amerika-Handel fest im Griff.

Galbraith spannt den Bogen bis heute: über verfehlte Immobilienspekulationen im Amerika des 19. Jahrhunderts und den katastrophalen Börsenkrach 1929 bis zur vorläufig letzten großen Krise, dem Oktobercrash an der Wall Street vor fünf Jahren. Stets, meint der Ökonom, seien die maßgeblichen Umstände die gleichen gewesen.

Nach seiner Analyse beginnen solche fatalen Prozesse in den Phasen des Wohlstands, in denen sich der Irrglaube verbreitet, daß viel Geld macht, wer besonders intelligent ist – ob Tulpenspekulant, Immobilienhai oder Übernahmespezialist, die sogenannten Finanzgenies eben. Der Wunsch, es ihnen nachzutun, mündet in eine Euphorie, die zunächst die Preise steigen läßt – und in die Erwartung, daß der Trend nach oben unaufhörlich sei. Frühere Pleiten sind schnell vergessen, die Anleger sehen in dem neuen Spekulationsobjekt jedesmal aufs neue eine umwälzende Idee. Das trifft auf den Handel mit der Neuen Welt ebenso zu wie auf die schuldenfinanzierten Übernahmeschlachten der achtziger Jahre. Doch dahinter steckt, so Galbraith, in den meisten Fällen ein altes Prinzip in neuer Verpackung: die finanzielle Hebelwirkung. Geringes Eigenkapital, wenig Sicherheiten, fehlende Risikodeckung – damit läßt sich der Gewinn steigern, bis das Kartenhaus zusammenfällt. Anschließend suchen diejenigen, die auf die Nase gefallen sind, lautstark nach den Schuldigen, nehmen sich und ihre eigene Dummheit dabei aber regelmäßig aus.

Viel machen gegen diese Rückfälle in die finanzielle Blauäugigkeit könne man nicht, meint Galbraith. Wie wenig die Anleger in der Euphorie auf Warnungen hören, hat er selbst vor 1987 erfahren. Trotzdem gilt für den einzelnen: Wenn die Stimmung sich aufheizt, sind besondere Vorsicht und mehrmaliges Nachdenken geboten.

Neu sind die Erkenntnisse des kleinen Buches nicht. Aber Galbraith warnt auf unterhaltsame Weise. Und wenn er mit seiner Analyse des finanziellen Kurzzeitgedächtnisses recht hat, kann die Warnung gar nicht oft genug kommen. he