Einer der beliebtesten Ferienorte Deutschlands, Oberstdorf im Allgäu, startet Mitte August einen Modellversuch: Elektrobusse sollen dafür sorgen, daß die Urlauber ihre Autos stehen lassen.

Vor den Toren von Oberstdorf herrscht derzeit Hochbetrieb. Parkplätze für rund 1000 Autos werden planiert. Dort sollen demnächst Urlauber und Tagesgäste ihre Wagen abstellen, um mit dem Elektrobus in den Kurort und zu den Bergbahnen zu fahren. Zusammen mit Berchtesgaden ist Oberstdorf vom bayerischen Umweltministerium für ein Pilotprojekt ausgesucht worden. Das Ziel: autofreie Ferienorte.

Über Besuchermangel kann Oberstdorf nicht klagen. 2,5 Millionen Übernachtungen werden in der 12 000 Einwohner großen Gemeinde alljährlich registriert, dazu kommen Heerscharen von Tagesausflüglern, die mit der Bergbahn aufs Nebel- oder Fellhorn fahren oder Oberstdorf erkunden wollen. Während rund 35 Prozent der Dauergäste bereits mit der Bahn anreisen, trübt vor allem die Autolawine der Tagesbesucher das Klima im heilklimatischen Kurort: Kurgäste haben den wachsenden Verkehr moniert. Zwar gibt es im Zentrum von Oberstdorf seit mehr als zehn Jahren eine Fußgängerzone, gilt in vielen Straßen Tempolimit 30, doch das waren, so Kurdirektor Michael Schmidl, nur Tropfen auf den heißen Stein. Der Verkehr wuchs weiter.

Vom 14. August an soll alles anders sein. Im Fünfzehn-Minuten-Takt werden dann zwei 400 000 Mark teure Elektrobusse vom Großparkplatz am Bahnhof vorbei ins Zentrum, zum Marktplatz und weiter zur Nebelhornbahn fahren und die Urlauber zum symbolischen Preis von einer Mark transportieren. Ihre Autos sollen sie – kostenlos – auf den Parkplätzen vor dem Ort abstellen. Allein der Grundstückserwerb kostete die Gemeinde mehrere Millionen Mark.

Die Elektrobusse werden für achtzehn Monate vom Umweltministerium geleast, das auch die Mietkosten übernimmt. Um die Autofahrer von der motorisierten Tour in den Ort, der fast hundert Prozent seiner Einnahmen aus dem Tourismus bezieht, abzuhalten, sollen die Parkgebühren in der Innenstadt erhöht und die Halteverbotszonen erweitert werden; die Fußgängerzone wird ausgedehnt. Maßnahmen, die allerdings nicht sehr rigoros anmuten.

Dem Beispiel Oberstdorf wollen auch mehr als zwei Dutzend anderer bayerischer Feriengemeinden folgen, die sich zu einer "Interessengemeinschaft autofreie Kur- und Fremdenverkehrsorte" zusammengeschlossen haben, darunter Bad Reichenhall, Bad Tölz, Bad Wiessee, Garmisch-Partenkirchen, Hindelang, Schliersee und Füssen.

Vorerst wird das Ergebnis des Modellversuchs abgewartet. Platz für je 41 Personen haben die Elektrobusse, die zwischen 8 und 19 Uhr fahren werden. Bleibt wirklich einmal ein Fahrzeug mit leerer Batterie stehen, ist bereits Ersatz bereit, ein dritter Bus wurde gleich zur Reserve mitgemietet. put