DIE ZEIT

Sturzflug

Noch vor gut einem Jahr brach er alle Popularitätsrekorde, heute sinkt seine Beliebtheit im Sturzflug. George Bush ist in Nöten.

Streik am Kap

Millionen sind dem ANC und seinen Bundesgenossen gefolgt – ein Referendum der Schwarzen. Nichts hat sich in ihren Augen seit dem Ende der Apartheid zum Besseren gewendet.

Paragraph 218: Karlsruhe behält sich ein Urteil vor: Einstweilen nicht

Für gelernte Juristen versteht sich der Vorgang – halbwegs – von selbst. Normalen Bürgern ist er kaum mehr verständlich zu machen: Am späten Dienstagabend dieser Woche hielt das Bundesverfassungsgericht die Neufassung des Gesetzes über den Schwangerschaftsabbruch durch eine einstweilige Anordnung an.

Abenteurer

Als "Retter der Waisen" wollten sie gefeiert werden, doch nicht als Helden kehrten Karsten Kolle und Jürgen Angelbeck aus Sarajevo zurück.

Zeitspiegel

Als der britische Außenminister Douglas Hurd jüngst das eingeschlossene Sarajevo besuchte, empfing ihn Bosniens Präsident Izetbegovic in seinem Amtszimmer.

Worte der Woche

"Ich glaube, es wäre nicht zuviel verlangt, wenn er seinen Urlaub nach zwei Wochen abbrechen würde, um ihn im Osten fortzusetzen.

"Auf uns richten sich zu große Hoffnungen"

ZEIT: Die Vereinten Nationen treten in eine neue Phase ihrer Geschichte ein. Immer mehr Konflikte, sowohl zwischen Staaten als auch interne Auseinandersetzungen, werden an sie herangetragen.

In Osijek harren Zehntausende von Flüchtlingen aus. Ihre Geduld geht zu Ende, sie wollen nach Hause: Ein Krieg für die Rückkehr?

Es dunkelt bereits, als der Schnellzug aus Zagreb in Osijek einläuft, aber kein Licht weist dem Besucher den Weg. Wie ein schwarzer Schlund zieht sich die Radiveća-Straße durch Häuserfronten mit abgesprungenem Putz und abgeschlagenen Putten, vorbei an Fenstern mit blinden Plastikfolien und Kellerausgängen, vor denen sich noch immer Sandsäcke stapeln.

Wolfgang Ebert: Feindbedarf

Präsident Bush fragt Sam Skinner, seinen Stabschef: "Wie läuft unser Wahlkampf?" – "Bei uns läuft gar nichts mehr, Sir. Clinton läuft uns meilenweit davon, und mir läuft dabei ein kalter Schauer über den Rücken.

Ein Friedensplan für Jugoslawien

PITTSBURGH. – Das Versagen der internationalen Gemeinschaft auf dem Balkan erfordert ein Überdenken des gesamten Problems. Neue Wege müssen beschritten werden, um dem Gemetzel im ehemaligen Jugoslawien endlich Einhalt zu gebieten.

Bonner Bühne: Menschen wie alle anderen

Aufs engste sei Helmut Kohl dem Sport verbunden, heißt es im Kanzleramt. In diesen Tagen demonstriert er besonderes Interesse: An alle deutschen Medaillengewinner in Barcelona läßt er persönliche Telegramme schicken.

Wir können die Gewalttäter schlagen

WASHINGTON. – Die Welt von 1992 ähnelt auf schmerzhafte Weise der Wel; von 1918. Als hätten die großen Ideologien dieses Jahrhunderts kaum Spuren in unserem Bewußtsein hinterlassen, sorgt sich der Westen – wie 1918 – wieder um Demokratie, Nation und Selbstbestimmung.

Das Emirat am Golf

In Kuwait lebten 1989 zwei Millionen Einwohner auf einem Staatsgebiet von der Größe Sachsens. Hauptstadt ist Kuwait City. Bis zur Besetzung durch irakische Truppen im August 1990 waren 72 Prozent der Einwohner Ausländer (20 Prozent Palästinenser, 6 Prozent Ägypter, 5 Prozent Iraker, 4 Prozent Perser, 3 Prozent Inder und 2 Prozent Pakistaner).

Vor dem Umzug in die Bundeshauptstadt: Wechsel ins Ungewisse

MERSEBURG. – Das ehemalige Deutsche Zentralarchiv in Merseburg, das seit Ende des Krieges die ebenso gewaltigen wie historisch faszinierenden Aktenbestände des brandenburgisch-preußischen Staates betreut, soll wieder einmal auf Reise gehen, eine Reise ins Ungewisse.

Unser Gott heißt Margot

"An meiner Fender-Gitarre hatte ich einen Hebel zum Jaulen. Den durfte ich nicht benutzen, und sie paßten auf wie die Kiebitze.

Sachsen-Anhalt: Stasi-Listen sorgen für Unruhe: Deckname Sommer

HALLE. – Auf der Treppe des "Reformhauses" und vor den Räumen des Neuen Forums drängen sich die Menschen. Sie stehen Schlange, um Listen anzusehen, brisante Listen mit Namen von Personen, die als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) der ehemaligen Bezirksverwaltung der Staatssicherheit von 1986 bis 1989 registriert waren.

Reisende unerwünscht

BERLIN. – Unsere Mitbürger im Osten erfreuen sich des Rufes, daß viele von ihnen es verstehen, sich die Arbeit einzuteilen. Ein schönes Beispiel dafür verdanken wir der Crew des IC 534 Elbflorenz.

BUCH IM GESPRÄCH: Nicht einäugig

Voilà, das erste Buch zum, wie es auch im Untertitel heißt, "blutigen Konflikt im ehemaligen Jugoslawien". Wir wollen nicht übermäßig ironisch sein, aber ein bißchen ist es das: das Buch zum Film.

Iran: Vorsichtig

Die Bundesregierung hofft vergebens, politischen Wandel auch durch Handel zu beeinflussen. Die erneute Hinrichtungswelle im Iran belegt das einmal mehr.

Subventionen: Wendig

Jetzt hat Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann seinen (Lehr-)Meister gefunden: Die Europäische Kommission, die sonst gern und viel subventioniert, hat sich vorgenommen, die opulenten Staatszuschüsse für den deutschen Steinkohlenbergbau zusammenzustreichen.

Bonner Kulisse

Der Streit zwischen Bundesfinanzminister Theo Waigel einerseits und den beiden Ost-Ministerpräsidenten Manfred Stolpe aus Brandenburg und Kurt Biedenkopf aus Sachsen andererseits um die Kosten der Einheit verschärft sich.

Die schwachen Riesen

Streiken die Investmentsparer? In den vergangenen Monaten ist die Nachfrage nach deutschen Wertpapierfonds dramatisch gefallen.

Markt-Report: Problemfall Allianz

Nur von kurzen technischen Reaktionen unterbrochen, neigt der Deutsche Aktienindex (Dax) immer noch zur Schwäche. Am Wochenbeginn fiel er sogar unter die Marke von 1600.

Rezension: Eine Tulpenzwiebel für 100 000 Mark

John Kenneth Galbraith zieht ein trauriges Fazit. Des öfteren in seiner Laufbahn hat sich der amerikanische Ökonom mit den großen Spekulationswellen der Wirtschaftsgeschichte befaßt und kommt zu der Erkenntnis: Die Menschen lernen nichts dazu.

Manager und Märkte

Treuhandanstalt: Minol-Verkauf wird teurer Gehälter: Hako-Chefs bedienen sich Verbraucherschutz: Brüssel kürzt die Mittel

Im Bildungswesen der USA spiegelt sich die Kluft zwischen Arm und Reich, Schwarz und Weiß: Klassenkampf

Zwanzig Prozent aller amerikanischen Arbeitskräfte sind "funktionelle Analphabeten", behauptet Lester Thurow. Was Thurow, der als Sozialwissenschaftler so respektiert ist wie das Massachusetts Institute of Technology, dem er als Dekan angehört, als "funktionelle Analphabeten" definiert, sind Menschen, die kaum das Niveau der fünften Volksschulklasse erreicht haben und dort stehengeblieben sind.

Lehrzeit

Auch der deutsche Student ist nicht mehr das, was er einmal war. Vom armen Schlucker mutierte er im Lauf der Jahre zum konsumorientierten Normalbürger.

Erforscht und erfunden

Viele Jahrzehnte lang verzeichneten Landkarten von Westafrika ein nicht existentes Bergmassiv. Die Geschichte der fiktiven Kong-Berge hat unlängst der amerikanische Geograph Thomas Bassett (Universität von Illinois in Urbana-Champaign) rekonstruiert.

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