Nur von kurzen technischen Reaktionen unterbrochen, neigt der Deutsche Aktienindex (Dax) immer noch zur Schwäche. Am Wochenbeginn fiel er sogar unter die Marke von 1600. Gegenüber seinem diesjährigen Höchststand hatte er damit rund zwölf Prozent eingebüßt. Die Aktie der Allianz-Holding trug wesentlich dazu bei: auf sie entfällt ein Anteil von rund elf Prozent am Dax, ihr Kurs hat vom bisherigen Jahreshöchststand bis zum Beginn dieser Woche etwa 23 Prozent verloren.

Wenn sich dieses Papier, das bisher an der Börse als "goldgerändert" galt, in jüngster Zeit im freien Fall nach unten bewegt, liegt dies einmal an der Verschlechterung des versicherungstechnischen Ergebnisses (damit macht die Allianz keine Ausnahme), noch mehr aber daran, daß die Analysegesellschaft der Deutschen Bank, DB Research, für Allianz-Aktien eine schriftliche Verkaufsempfehlung ausgesprochen hat. Bisher hatte DB Research bei diesen Papieren mündlich zum Kauf geraten.

Anlaß des Kurswechsels war eine Neuberechnung des Gewinns je Aktie, der 1991 von 43,50 auf 26 Mark gesunken sein soll, während der Allianz-Vorstand auf 40,85 Mark je Aktie kommt. Die Differenz hat ihren Grund in unterschiedlichen Berechnungsmethoden.

Solche Auseinandersetzungen müssen während einer labilen Börsenphase zwangsläufig die Gesamtstimmung beeinflussen. Überdurchschnittlich unter Druck lagen auch Daimler und Deutsche Bank, ohne daß in beiden Papieren nennenswerte Mengen angeboten wurden. Die allgemeine Abwärtsbewegung vollzog sich weiterhin bei erstaunlich geringen Umsätzen und wäre deshalb auch leicht zu stoppen, wenn genügend Anleger den Mut aufbringen würden, einmal "dagegenzuhalten".

Der Zinsanstieg seit der letzten Diskonterhöhung läßt indessen kaum Unternehmungslust aufkommen. Nur wenn es ausgesprochen positive Überraschungen gibt, wie zum Beispiel das gute Halbjahresergebnis der Dresdner Bank, sind Meinungskäufe zu beobachten. Beruhigt hat hier auch, daß keine Kapitalerhöhung ansteht. Das Zahlenwerk der Dresdner Bank hat bestätigt, daß die meisten Kreditinstitute für 1992 wohl ein ansehnliches Ergebnis abliefern werden. Bei der Commerzbank sind die Gerüchte über eine mögliche Dividendensenkung nach Veröffentlichung ihrer Halbjahreszahlen vom Tisch. K. W.