Bunt sind sie; so bunt, daß es knallt. In allen Nuancen des Regenbogens schimmern und glitzern die Trikots, Hosen und Rahmen. Fuchs und Amsel dürften einen Schock bekommen, wenn die schockig kolorierte Spezies der Radfahrer, die vor wenigen Jahren noch auszusterben drohte, in Wald und Flur an ihnen vorbeiprescht.

Der Tourismus auf muskelbetriebenen Zweirädern boomt wie nie zuvor. Nach der "Reiseanalyse" des Starnberger Studienkreises für Tourismus schwingen sich alljährlich fast sieben Millionen Bundesbürger im Urlaub auf den Sattel. Der Drahtesel hat als Transportmittel in die Ferien nach den neuesten Berechnungen das Schiff, das Motorrad und das Wohnmobil überholt und ist somit zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor geworden. Allein auf dem Donau-Radwanderweg, der mit Abstand beliebtesten Fernroute in Europa, sind jedes Jahr über 100 000 Pedalritter unterwegs.

Kein Wunder, daß auch die Buchverlage die Pedaleure und Pedaleusen entdeckt haben. Neben Ratgebern zum Fahrradkauf und zur Technik der Vehikel werden jedes Frühjahr neue Radwanderführer auf den Buchmarkt geworfen. Das Angebot wird langsam unüberschaubar.

Am längsten im Geschäft ist der

  • Kompass Radwanderführer

Deutscher Wanderverlag Neuerscheinungen u.a.: Mecklenburg-Vorpommern, Mark Brandenburg, Rhône, Loire 180 bis 330 S., 24,80 DM

Über fünfzig Bücher sind bislang erschienen, die alle deutschen Landschaften, von Rügen im Norden bis zum Bodensee im Süden, und einige Regionen im europäischen Ausland abdecken. Jeder Führer enthält bis zu hundert Rund- und Streckentouren. Die Routen werden akribisch beschrieben. Jeder Richtungswechsel, jede Steigung und jeder Straßenname ist vermerkt. Man wundert sich, daß nicht auch noch die Schlaglöcher gezählt werden. Zusammen mit den speziell angefertigten Karten in den Büchern dürfte ein Verfahren unmöglich sein. Der Radler wird von den Kompass-Führern gleichsam an den Lenker genommen und auf vorgeschriebenen Wegen durch die Lande geleitet.