Alle Räder stehen still, die Innenstädte sind ausgestorben, die Straßen leergefegt. Aber auch: brennende Hütten, Blutvergießen, 29 Tote – Generalstreik in Südafrika.

Millionen sind dem ANC und seinen Bundesgenossen gefolgt – ein Referendum der Schwarzen. Nichts hat sich in ihren Augen seit dem Ende der Apartheid zum Besseren gewendet. Sie dürfen nicht wählen, vielen geht es wirtschaftlich schlechter, die Gewaltexzesse haben zugenommen. Der ANC mußte versuchen, ihren Zorn, ihre Enttäuschung zu bündeln, um Druck auf die weiße Regierung auszuüben, die von der Alleinherrschaft so schnell nicht lassen will. Aber ist die Befreiungsorganisation durch diesen Ausstand dem neuen, demokratischen Südafrika einen Schritt näher gekommen? Der Massenprotest hat ihre Position im Machtkampf mit Pretoria kaum gestärkt und die Wirtschaft – ohnehin geplagt durch eine schwere Rezession und die Jahrhundert-Dürre – weiter geschwächt.

Nelson Mandela und seine Mitstreiter haben ihre Muskeln gezeigt. Nun sollten sie bald wieder ihre Plätze am Verhandlungstisch einnehmen. Es gibt keine Alternative dazu – außer Anarchie und Bürgerkrieg. ill