Von Jeane Kirkpatrick

WASHINGTON. – Die Welt von 1992 ähnelt auf schmerzhafte Weise der Wel; von 1918. Als hätten die großen Ideologien dieses Jahrhunderts kaum Spuren in unserem Bewußtsein hinterlassen, sorgt sich der Westen – wie 1918 – wieder um Demokratie, Nation und Selbstbestimmung. "Ich bin stolz, ein Eritreer zu sein", verkündete neulich ein Aufkleber an der Stoßstange eines Autos in Washington.

Das alles gehört zusammen: Demokratie, Nation und Selbstbestimmung stützen sich gegenseitig. Aber die bittere Erfahrung lehrt, den Konflikten im Irak, in Bosnien-Herzegowina und in Kambodscha zu begegnen. Nichts hat bis heute gefruchtet, es scheint vielmehr, als könnten die Bösen gewinnen.

Die Iraker rühmen sich eines "großartigen Sieges" in ihren Verhandlungen mit den Vereinten Nationen, den UN-Inspektoren Zugang zu Gebäuden und Dokumenten zu gewähren. Die serbische Regierung treibt ihren Feldzug der "ethnischen Säuberungen" mit der Belagerung und Bombardierung von Bosnien-Herzegowina voran. Und in Kambodscha weigern sich daß dies alles auch von gewalttätigen Bewegungen oder brutalen Männern wie Saddam Hussein im Irak oder dem Serbenführer Slobodar. Milošević mißbraucht werden kann.

Deshalb versuchen ja auch so viele Regierungen, die Aggression durch internationale Zusammenarbeit in einem multilateralen Rahmen zu bändigen. Doch nichts funktioniert wie erhofft.

Die Entwicklung unterminiert die Hoffnung auf kollektive Sicherheit: Ist sie nur ein unerreichbarer Traum? Können wir heute schaffen, woran ehrenwerte Männer schon nach dem Ersten Weltkrieg scheiterten? Diese Fragen drängen sich angesichts der ungeschickten internationalen Bemühungen auf, die Roten Khmer, ihre Waffen abzugeben oder den Vereinten Nationen Zutritt zu den von ihnen kontrollierten Gebieten zu erlauben.

In allen Fällen verweigert ein Aggressor die Erfüllung eines Abkommens, dem er vorher zugestimmt hatte. In allen Fällen droht eine Lösung zu scheitern, an der die Vereinten Nationen maßgeblich mitgearbeitet haben. Und in allen Fällen zeigt sich, daß der Aggressor den Abkommen und Friedensverhandlungen nur zustimmte, um kurzfristige militärische Vorteile zu erringen.