Eigentor

Als der britische Außenminister Douglas Hurd jüngst das eingeschlossene Sarajevo besuchte, empfing ihn Bosniens Präsident Izetbegovic in seinem Amtszimmer. Den Emissär aus London plazierte er zum Gespräch direkt vor eines der großen Fenster. Während der Unterhaltung explodierte in der Nähe eine Granate. "Da sehen Sie es selbst, wie die Serben mich unter Beschuß nehmen", entrüstete sich Izetbegovic. Hurd zeigte sich hinterher wenig beeindruckt. "Ich war selbst im Krieg", vertraute er seinen Mitarbeitern an. "Ans Fenster setze ich mich höchstens, wenn die Schüsse nicht vom Gegner kommen."

Wahlschulden

Üblicherweise leben professionelle Wahlhelfer in Amerika wie Saisonarbeiter: Nach Monaten hektischer Propaganda folgt mit dem Tag des Urnenganges die Entlassung – bis zum nächsten Mal! Für etwas Kontinuität sorgen allein die Schatzmeister der zahllosen Kampagnen, vor allem wenn ihr Favorit in den harten Vorwahl-Kämpfen unterlegen war. Länger noch als die enttäuschten Hoffnungen währen oft die Schulden der Politiker. Und die müssen verwaltet werden. So steht – ausgerechnet – mit John Connally ein ehemaliger amerikanischer Finanzminister noch immer in der Kreide; die Schulden von seiner Bewerbung im Jahr 1980 liegen heute noch bei 3,1 Millionen Dollar. Auch der demokratische Senator John Glenn schreibt rote Zahlen, seit 1984 noch immer 3,5 Millionen. In einem halbleeren Bürogebäude zu Boston hofft nun der Buchhalter David Goldmann, seine Arbeit schneller als manch anderer vor ihm beenden zu können. Der Schatzmeister des diesmal gescheiterten Demokraten Paul Tsongas muß (nur) noch 200 000 Dollar abtragen: "Ich bin glücklich, wenn es vorbei ist. Denn es gibt wirklich Dinge, die ich lieber tun würde."

Sinneswandel

Volkes Stimme ist nicht heilig, selbst förmliche Volksentscheidungen sind es nicht. Nun, da immer mehr Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft den Vertrag von Maastricht ratifizieren, geraten auch seine dänischen Gegner ins Wanken. Mittlerweile wächst die Aussicht, daß am Jahresende – entweder im Folketing oder in einem erneuten Referendum – die Dänen doch noch der Politischen Union zustimmen werden. Entscheidend ist der Sinneswandel der Sozialistischen Volkspartei, der Hauptopposition gegen Maastricht: Immer mehr Mitglieder fürchten einen Ausschluß aus der Gemeinschaft der Zwölf. Schriebe das Folketing sein Recht auf höhere sozial- und umweltpolitische Standards fest, erklärte es seine Vorbehalte gegenüber einer europäischen Verteidigungs- und Währungsunion, könnten viele Dänen in einer neuen Abstimmung umschwenken.