Ringo ist neunzehn und lebt in Wriezen nahe der deutsch-polnischen Grenze, einer Stadt mit 7000 Einwohnern. Er macht eine Maurerlehre.

Was macht man als Jugendlicher in so einer Stadt, wenn man nicht gerade arbeitet, Ringo?

Hmm, freizeitmäßig, da wird ja überhaupt nischt mehr geboten hier. Traurig ist det. Gerade mal ’nen Kino haben wir jetze. Tja, was macht man? Gerade mal zu Hause sitzen, bißchen Fernsehen und Freunde besuchen, wenn die nicht schon weggezogen sind, nach drüben.

Sind viele weggezogen?

Etliche. Mit Eltern oder alleene. Da drüben kriegt man Arbeit, hier ist doch nischt mehr. Nee, Freunde, da ist nicht mehr ville. Und die, die hier sind, die fahrn denn ja auch nach außerhalb, tanzen. Gibt ville, die saufen und klaun. Und dann kommen se runter oder fahrn sich dot. Is’ noch gar nich’ lange her, da hat sich ’ne Freundin totgefahrn, sechzehn Jahre alt. Die sterben hier wie die Fliegen. Fahrn in die Disco, trinken sich einen an, knallen gegen ’nen Baum. Es wird ja auch nischt geboten hier.

War das denn früher anders?

Jo! Zu DDR-Zeiten, da war hier in der Speiseeinrichtung Disco gewesen, da war ich immer. Da waren alle gewesen, die man kannte, da war jeder! Da war Tanz, da war Kino, da wurde wirklich noch was geboten.