apoleons Soldaten, vom russischen Heer verfolgt, bereiten sich darauf vor, zur Altstadt hin abzuziehen und die große Elbbrücke hinter sich zu sprengen. Filomena Findeisen weiß noch nicht, daß der dumpfe Knall des einstürzenden Brückenbogens ein Signal ist, das den Beginn schwerer Zeiten ankündigt.

Nun war bereits das bisherige Leben des Mädchens nicht gerade sorglos zu nennen. Ihre Pflegeeltern, der Armenlehrer Leberecht und seine tatkräftige Frau Male, hatten es eben geschafft, einigermaßen über die Runden zu kommen. Ein eingeschränktes Dasein zwar – von der Autorin sorgfältig recherchiert und genau beschrieben – das aber, bei aller Armut, eine gewisse Sicherheit bot.

Normalerweise hätte niemand der Dreizehnjährigen erlaubt, in den Wald zu schleichen und sich ausgerechnet ein fahrendes Artistenmädchen mit struppigen Haaren und zerlumpten Kleidern als Blutsfreundin auszusuchen. Und – normalerweise – hätten es weder Onkel noch Tante gebilligt, daß sich Filomena der Artistentruppe anschließt. Aber was bleibt schon normal, wenn der Einquartierung französischer Infanterie die Stationierung russischer Kavallerie folgt, ein kleines Kind von einer verirrten Kugel getroffen wird, der Tagesablauf nur mehr vom Kampf um rar gewordene Lebensmittel bestimmt wird?

Fast lächerlich erscheint der Anlaß für Filomenas Flucht. Luise, ihre kleine zahme Maus, hat das Piano angenagt, das dem Onkel nur zum Einspielen übergeben worden war. Aber es ist gerade dieses Nebeneinander von großen Ereignissen und kleinen Begebenheiten, das Karla Schneiders Buch so lesenswert macht. Kleinkarierter Ärger, spontane Freude, aufrichtige Freundschaft entfalten sich ebenso vor dunklem wie vor hellem Hintergrund.

"Filomena Findeisen" ist auch ein Buch gegen den Krieg. Nicht, weil es die Kriegsgreuel besonders ausführlich schildert, sondern weil spürbar wird, daß jeder – sei es Franzose, Deutscher oder Russe – durchaus mit dem anderen ausgekommen wäre, hätten sie sich denn unter friedlichen Umständen getroffen.

Und noch etwas verbirgt sich zwischen den Seiten dieser spannenden Chronik: Filomenas Geschichte ist in einer traditionsreichen Landschaft angesiedelt, in der schönen Alt- und Neustadt Dresdens zu beiden Seiten der Elbe. Eine Gegend, die es wieder zu entdecken gilt. "Die abenteuerliche Geschichte der Filomena Findeisen" wäre eine gute Einstimmung dafür, nicht zuletzt, weil das Buch dem wiedererstehenden "höfischen" Dresden das Alltagsleben der kleinen Leute gegenüberstellt. Susanne Krebs

Karla Schneider: