Von Reinhold Rombach

Die Angst geht um in den Börsensälen am Wiener Schottenring: Die Händler verfallen täglich in ein noch größeres Lamento ob der neuen Kursverluste. Die Talfahrt der Aktiennotierungen ist in der Tat atemberaubend. Allein im Juli verlor Österreichs Börse über zehn Prozent, und ein Ende sei nicht in Sicht. Als Begründung führen manche an, daß die Kleinanleger den Wiener Platz schon des längeren wie die Pest meiden und ihre Spargroschen lieber in Festgelder anlegen.

Zu allem Unglück wird die negative Stimmung noch überzeichnet durch die jüngste Einführung von Optionen und Futures auf den ATX-Index. Kaum installiert, setzen die Profis auf fallende Kurse. Folgerichtig sind die Kurse erst recht gepurzelt, getreu der Börsenweisheit, daß die Baisse die Baisse nährt.

So mag es auch nicht weiter verwundern, daß sich das ZEIT- Depot der Bank Austria mit einem Verlust von 12,66 Prozent arg zerzaust präsentiert. Speziell die beiden Österreich-Titel Baumax und Ottakringer mußten viele Federn lassen, was den Wertpapierchef der Bank Austria zu der wohl berechtigten Klassifikation "schmerzliche Wertabnahme" veranlaßte. Aber jetzt, so Stefan Zapotocky, wolle er zu diesen beiden Titeln stehen und auch so lange durchhalten, bis die Baisse vorbei sei. Von den Fundamentalwerten her gesehen, seien sowohl der Bauwert Baumax als auch die Getränkeaktie Ottakringer mittlerweile sehr preiswert geworden, und vor allem bei Getränkeaktien müsse der heiße Sommer doch den Kursen dieser Branche einen kräftigen Schub nach oben geben.

Nun hätte der Geldmanager der Bank Austria sich dem Desaster der österreichischen Börse durchaus mit einer internationalen Depotausrichtung entziehen können. Zu einem kleinen Teil wurde diesem Gedanken wohl auch Rechnung getragen, allerdings scheint mit der US-Aktie Centel nicht die richtige Wahl getroffen worden zu sein. Der Titel aus der Gesundheitsbranche, Anfang Juli gegen den österreichischen Wert Waagner Biro eingetauscht, konnte bislang lediglich ein kleines Plus von 1,53 Prozent vermelden. Das ist eindeutig zu mager, da sich die Kaufentscheidung auf Übernahmephantasie begründete. Die als special Situation eingestufte Centel hat von der US-Firma Sprint ein Übernahmeangebot in Höhe von 33 Dollar je Aktie erhalten. Das sei viel zuwenig, meint Stefan Zapotocky, da müßten die Großaktionäre schon noch etwas drauflegen. Die Wall Street teilt jedoch nicht die Meinung des Wieners, und es steht zu befürchten, daß sie recht behält.

Der Hang, sich im eigenen Lande redlich zu nähren, bestimmt offensichtlich auch die Anlagepolitik der Südwestdeutschen Genossenschafts-Zentralbank (SGZ). Chefdenker Volker H. Düber wählte für sein Depot von Anfang an deutsche Aktien, wohl in der Erwartung, daß sich der inländische Wissensvorsprung auszahlen würde. Diese Hoffnung ging jedoch nur beschränkt auf. Das SGZ-Depot hält sich zwar mit einem Plus von 1,24 Prozent wenigstens über der Nullinie und damit sogar hauchdünn besser als der Deutsche Aktienindex Dax, aber die jahreseingangs hochgesetzten Gewinnträume sind vorderhand kräftig gestutzt.

Jetzt, da der Dax mühelos durch die Marke von 1600 Punkten nach unten rauschte, rächt sich die einseitige nationale Ausrichtung im ZEIT-Depot der SGZ. Gerade die stark vertretene Deutsche Bank steht an der Börse im Blickpunkt des Geschehens, aber beileibe nicht positiv. Zum einen, weil sie selbst völlig unerwartet wenig glänzende Ertragszahlen bekanntgab, was die Börsianer als Paukenschlag empfanden. Zum anderen war es mit der db-research eine Deutsche-Bank-Tochter, die ihrerseits der Allianz-Aktie einen drastischen Gewinnrückgang attestierte.