Die Vermarktung von Politikern, die in angelsächsischen Ländern gang und gäbe ist, gewinnt auch in der Bundesrepublik an Bedeutung. Vor allem Großfirmen glänzen gern mit Politprominenz. Erfolge, wie sie der Frankfurter Moritz Hunzinger mit "seinen" Politikern bei PR-Auftritten hatte, finden Nachahmer. Der Düsseldorfer Econ-Verlag betreibt seit einem halben Jahr eine Referenten-Agentur und vermittelt Politiker nach Wunsch als Show-Redner. Econ-Agentin Felizitas Wendt über die Trend-Neuheit: "Das gesprochene Wort hat bei den Unternehmern einen hohen Aktualitätsgrad." Deutsche Unternehmer hören noch immer gern Botschaften und glauben dran; sonst würden sie ja nicht zahlen. Radikale und Extreme à la Franz Schönhuber von den Republikanern werden allerdings (noch) nicht vermarktet. Bekannteste Econ-isten sind Heiner Geißler (CDU) und Peter Glotz (SPD), neuerdings auch Forschungsminister Heinz Riesenhuber (CDU). Über den Marktwert der Politredner mochte Frau Wendt keine näheren Auskünfte erteilen. Sie meinte lediglich, daß Angelsachsen weit höhere Preise zahlten als Deutsche. Vielleicht hat das aber auch mit der Qualität deutscher Redner zu tun oder damit, daß sie nicht in die eigene Tasche palavern. Felizitas Wendt erklärt jedenfalls, alle würden ihre Entgelte spenden. An wen, verklärt das Spendengeheimnis.

Wenn die Republik mit ehemaligen Bundespräsidenten bei der Verleihung bescheidener Privilegien – Büro und Mitarbeiter auf Lebenszeit – honorig umgeht, so ist das recht und billig. Bei der Art der Inanspruchnahme solcher Privilegien gibt es freilich deutliche Unterschiede. Das belegt ein Vorgang, mit dem sich der Haushaltsausschuß des Bundestages beschäftigen muß.

Altbundespräsident Walter Scheel steht für seine präsidialen Altgeschäfte bisher eine aufwendige Bundesvilla im vornehmen Kölner Stadtteil Marienburg kostenlos zur Verfügung. Das war schon früher mal andeutungsweise beanstandet worden, zumal Scheel-Nachfolger Karl Carstens, vor kurzem verstorben, so ganz anders war. Preußisch-treu beschied der sich mit einem Büro im Bonner Bundestag. So weit, so gut. Da Scheel neuerdings fest in München lebt, ist ihm das Kölner Büro unbequem. So ließ er das Bundespräsidialamt wissen, man möge in München Passenderes suchen. Präsidial-Staatssekretär Andreas Meyer-Landrut fand eine freie 140-Quadratmeter-Villa des Bundes, nach Auskunft der Oberfinanzdirektion München bisher von einer amerikanischen Soldatenfamilie bewohnt.

Nun aber gestaltet sich der Umzug unerwartet schwierig. Zwar hat Finanzminister Theo Waigel einer "unentgeltlichen Überlassung" der Villa an Scheel zugestimmt, dennoch fand das Argument von Meyer-Landrut, Scheel müsse das Büro aus "gesundheitlichen Gründen" nach München verlegen, beim Haushaltsausschuß nicht gleich das erwünschte Echo. Ausgerechnet die FDP-Abgeordnete Sigrid Hoth verwies das Präsidialamt auf den für solche Fälle üblichen Weg – Vorlage an den Haushaltsausschuß über den Finanzminister.

Scheel wird seine Villa dennoch bekommen. Um PP (Präsidial-Privilegien) wird nicht gefeilscht, auch wenn Münchens Wohnungsnöte insbesondere für kinderreiche Familien groß sind und die Landeshauptstadt Zweckentfremdung von Wohnraum für Bürozwecke bisher nicht geduldet hat. Immerhin bot Scheel-Förderer Meyer-Landrut finanzielle Entlastung an: Der Expräsident verzichtet nach dem Umzug auf seinen persönlichen Referenten und eine Sachbearbeiterin. Damit spart der Fiskus runde 170 000 Mark im Jahr. Scheel, der künftig nur noch eine Sekretärin und einen Cheffahrer hat, wird sich in dem großen Haus zwar etwas verlassen vorkommen, dafür kann Theo Waigel das noch größere Kölner Scheel-Büro endlich für echte Wohnzwecke an Flüchtlinge oder eine kinderreiche Beamtenfamilie vergeben.

München freut sich auch auf Scheel. Nach Waigels Villen-Votum für Scheel können die Münchner auf mehr Großzügigkeit Waigels bei der Verwendung anderer Staatsimmobilien hoffen, die auch von Amerikanern genutzt wurden. Ein Mitarbeiter von OB Georg Kronawitter beklagt, daß der Finanzminister bisher bei der Umwidmung von amerikanisch genutzten Bundesimmobilien für Wohnzwecke sehr kleinlich war. Das wird sich nun hoffentlich ändern.

Es klingt unglaublich, könnte dennoch wahr sein. Vor einigen Wochen signalisierte die amerikanische Regierung dem Bonner Verkehrsminister Günther Krause Bereitschaft, über die Lufthansa-Landerechte und Flugquoten auf Strecken in die Vereinigten Staaten zu verhandeln. Die LH kann die USA nicht in dem Umfang anfliegen wie umgekehrt die US-Airlines Deutschland. Das aber verzerrt den Wettbewerb. Statt die angebotenen Gespräche sofort aufzugreifen, sollen Krauses Beamte über die deutsche Botschaft mitgeteilt haben, aus Urlaubsgründen sei man frühestens Ende August gesprächsbereit. Davon mochte das Verkehrsministerium auf Anfrage nichts wissen. Selbstverständlich werde verhandelt. Daß der für Anfang September vorgesehene Termin mit dem Ende der Urlaubswelle Bonner Beamter zusammenfällt, ist lediglich reiner Zufall. Wolfgang Hoffmann