Von Fredy Gsteiger

Einige sind schon vergilbt. Andere leuchten in den kitschigsten Farben. Die Photos von Hussein sind der einzige Schmuck in der tristen Amtsstube der Paßbeamten an der Allenby-Brücke zwischen der israelisch besetzten Westbank und Jordanien.

Der König: ein fescher junger Mann mit schwarzem Haar und trotzigem Blick im Pilotensitz eines Kampfflugzeuges; ein Herrscher im arabischen Gewand; ein Staatsmann im dunklen Anzug, händeschüttelnd vor dem Weißen Haus in Washington; und schließlich, in voller Größe, mit Königin und Kinderschar.

Die Bildergalerie mit dem Herrscher als einzigem Sujet zeugt – anders als im Irak des Saddam Hussein – nicht von einem forcierten Personenkult, dem tunlichst jedermann huldige. Der 57jährige König Hussein, der am 12. August sein 40. Amtsjahr beendet hat, genießt ehrlichen Respekt und echte Beliebtheit. Ganz zufällig ist die Portraitauswahl gleichwohl nicht. Ebenso interessant wie das, was sie zeigt, ist das, was sie wegläßt: den Playboy in schicken Tanzlokalen; den Politiker beim Bruderkuß mit "Cousin" Saddam Hussein; den von Bürde Gezeichneten nach dem Aufstand der Palästinenser gegen ihn, 1970 im sogenannten "Schwarzen September", und den Mann mit drei verflossenen Ehefrauen.

Dabei hat zumindest im Ausland das wechselvolle Eheleben den mit siebzehn Jahren zur Majestät gekürten Hussein ibn Talal berühmt gemacht. Lange bevor augenfällig wurde, wie behende er seine politischen Bettgenossen wechselte, ergötzte sich die Klatschpresse am nicht minder regen Wechsel der persönlichen Bettgefährtinnen: Nacheinander ehelichte er eine Beduinin, eine Britin, eine Palästinenserin und eine Amerikanerin. Hussein, der Lebemann: Schon während seiner Schulzeit im englischen Harrow-College bewies er mehr Gusto für flinke Autos und flotte Parties als für fade Bücher. Im London der fünfziger Jahre gab es so manches Mädchen, das sich gerne mit einem angehenden und obendrein noch gutaussehenden Monarchen aus dem Orient traf.

Geheiratet hat er dann aber Prinzessin Dina Abd el-Hamid, eine sieben Jahre ältere Aristokratin, die ebenso stolz war wie Hussein auf das edle Geblüt ihrer haschemitischen Herkunft. Diese läßt sich – sehr zum Ärger selbsternannter Prophetensöhne wie Saddam oder islamischer Glaubenshüter wie König Fahd von Saudi-Arabien – direkt auf Mohammed zurückverfolgen. Zwei Jahre hielt die standesbewußte Ehe, danach konnte sich Hussein wieder rauschenden Festen und dem Nervenkitzel des Motorsports hingeben. Mißbilligend wogten graue Bärte im Königreich. So heftig, daß die Amerikaner einen Spezialisten an ihre Botschaft in Amman entsandten, um das Image des Königs zu polieren.

Ehefrau Nummer zwei wurde die neunzehnjährige Offizierstochter Toni Gardiner. "Das Kind war völlig verschüchtert und brachte lange kaum ein Wort über die Lippen", meldeten die Herzund-Schmerz-Blätter. Muna al-Hussein ("Wunsch Husseins") habe "keine Ambitionen, als Intellektuelle zu gelten", hieß es bei Hofe höflich. Die Ehe hielt elf Jahre.