Von François Heisbourg

Wer die verschiedenen Möglichkeiten einer internationalen Militäraktion in Bosnien-Herzegowina untersuchen will, die über einen reinen Blauhelm-Einsatz hinausgeht, muß sich zunächst die Voraussetzungen vergegenwärtigen.

Zum ersten muß der militärische Auftrag klar formuliert sein – nicht so schwammig wie 1982 bis 1984 in Beirut, als Frankreich, die Vereinigten Staaten, Italien und Großbritannien Truppen in den Libanon entsandten, um dort "humanitäre Aufgaben" wahrzunehmen. Die erforderlichen militärischen Mittel müßten bereitstehen und die Regeln für ihren Einsatz so vereinbart sein, daß jede Einheit die jeweils ihr zugeteilte Aufgabe auch erfüllen kann.

Zum zweiten muß es schlüssige Befehlsstrukturen geben – auch hier bietet das Beiruter Debakel ein warnendes Beispiel. Schließlich muß der militärische Auftrag mit der eindeutig formulierten politischen Zielsetzung übereinstimmen; Vorstellungen über den künftigen Status, die künftige Struktur und die künftigen Grenzen Bosnien-Herzegowinas wie auch die spezifischen Aspekte humanitärer Hilfeleistung sind daher vorab zu präzisieren. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind – wie könnte, wie sollte dann ein militärischer Einsatz aussehen?

1. Der Einsatz mit dem geringsten militärischen Aufwand wäre die Verhängung einer Totalblockade. Dazu ist die frühzeitige Ortung unerlaubter Transporte in der Luft, zu Lande, übers Meer und auf Wasserstraßen erforderlich. Sie ließe sich durch eine Kombination vorhandener militärischer Mittel gewährleisten: durch Kriegsschiffe und Marineflugzeuge in der Adria; Awacs-Aufklärer der Nato, der Briten und Franzosen; durch Beobachterposten entlang der Grenzen zu Rumänien, Ungarn, Bulgarien. See- und Luftpatrouillen könnten unerlaubte Lieferungen von Italien aus oder von Flugzeugträgern in der Adria stoppen. Dabei müßten blockadebrechende Flugzeuge, Schiffe oder Lastwagen notfalls mit Zerstörung bedroht werden.

Das Risiko für die Blockierer wäre gering; allerdings ließen sich Verluste nicht ausschließen. Die in Westeuropa stationierten Kampfflugzeuge sind der serbischen Luftwaffe mit ihren rund zwanzig Mig-29 (von weiteren rund hundert älteren Mig-21 nicht zu reden) weit überlegen. Die Totalblockade würde Belgrad deutlich machen, daß eine internationale Militäraktion der nächste Schritt wäre.

2. Die zweite Option bestünde in internationalen Lufteinsätzen, um größere Offensivbewegungen serbischer Streitkräfte in Bosnien zu unterbinden und die Heranführung von Reserveverbänden aus Serbien abzublocken. Hier wären Luftangriffe auf Waffen-, Munitions- und Treibstoffdepots denkbar, auf Rüstungsbetriebe, Straßen- und Eisenbahnbrücken in den engen Tälern Bosniens, Schläge auch gegen militärische Konvois, Geschützbatterien und gepanzerte Einheiten. Nützlich wäre es, wenn die Flugzeuge von Stützpunkten in Kroatien aus operieren könnten. Aber auch Maschinen, die in Italien und auf Flugzeugträgern stationiert sind, könnten eingesetzt werden.