Olympia als Verlustgeschäft – das hätten sich die Manager der amerikanischen Fernsehgesellschaft NBC nicht träumen lassen, als sie 401 Millionen Dollar für die Fernsehrechte an den Spielen in Barcelona lockermachten: Sie wollten doppelt zuschlagen, zum einen mit der Berichterstattung im gebührenfreien nationalen Programm, zum anderen mit werbefreien Direktübertragungen auf drei Pay-TV-Kabelkanälen.

Ersteres lief bestens, mehr Menschen als erwartet schalteten ein, die Werbezeiten gingen weg wie warme Semmeln. Athleten wie die Gold-Läuferin Gwen Torrence ließen amerikanische Herzen höher schlagen und sorgten für Zufriedenheit beim Haupt-Sponsor der Spiele, Coca-Cola.

Die Strategie mit dem Pay-TV aber ging gründlich daneben. Zusammen mit dem Kabelbetreiber Cablevision Systems bot NBC für 125 Dollar ein Olympia-Paket an: rund um die Uhr Barcelona live. Zunächst wurden nur minder attraktive Sportarten angeboten, später aber auch die Knüller. Es nutzte alles nichts. Statt der erwarteten 2,5 Millionen zahlende Haushalte gingen nur 250 000 auf das Angebot der Fernsehfirmen ein. NBC-Chef Robert C. Wright hatte sich gründlich verschätzt. Viel weniger Haushalte als angenommen sind dafür ausgerüstet, das teure Kabelprogramm zu empfangen. Außerdem fürchteten andere Kabelbetreiber und lokale Fernsehstationen die Konkurrenz durch Olympia-Pay-TV und sorgten im vorhinein für negative Berichte darüber.

Die Folge des Desasters: NBC zahlt bei dem Kabelabenteuer geschätzte hundert Millionen Mark drauf. Wohl auch deshalb vermuten die Organisatoren der nächsten Sommerspiele in Atlanta, daß sie für die Fernsehrechte 1996 weniger als zunächst kalkuliert rausschlagen werden.

Der italienische Staat hat kein Geld mehr – deshalb kann er auch seine Unternehmen nicht mehr alimentieren. Allein die Holding IRI hat 82 Milliarden Mark Schulden. Weil der Staat als Finanzier ausfällt, muß Geld aus anderen Quellen kommen. Und auch in den Chefetagen soll sich alles ändern. Das bekommen die Präsidenten der Staatsholding zu spüren: Als deren oberste Manager waren sie bis zum vergangenen Wochenende Herren und Knechte zugleich. Herren, weil sie über Konglomerate geboten, die in Europa nicht ihresgleichen haben. Allein die vier größten Holdings machen zusammen 160 Milliarden Mark Umsatz. Und Knechte, weil sie von den Parteien eingesetzt und ihnen verantwortlich waren.

Franco Nobili, ein Freund des Kreises um den früheren christdemokratischen Regierungschef Giulio Andreotti, leitet Italiens größten Konzern IRI, zugleich das größte Konglomerat Europas. Die Sozialisten hatten zum Ausgleich mit dem Präsidenten Gabriele Cagliari die Energieholding ENI im Griff. Dafür gehörte die staatliche Stronholding ENEL, viertgrößter Stromerzeuger der Welt, über ihren mächtigen Präsidenten Franco Viezzoli wieder den Christdemokraten.

Jetzt wurden die größten Holdings auf Anordnung der Regierung Guilio Amato von öffentlichen Körperschaften in Aktiengesellschaften umgewandelt. Nahziel ist die Beschaffung von fast dreißig Milliarden Mark durch Verkauf von Minderheitsbeteiligungen an Private. Als Fernziel sollen die Konglomerate zu ertragbringenden Gruppen werden, die nicht mehr auf Parteien, staatliche Banken und Gewerkschaften hören müssen, ehe sie Personal einstellen oder an bestimmten Orten investieren.