Der Friedensprozeß im Nahen Osten erhält neuen Auftrieb. Bis vor kurzem noch sah es so aus, als blieben die Verhandlungen zwischen den Israelis und den Arabern mindestens bis zur amerikanischen Präsidentschaftswahl im November auf dem Eis. Jetzt sorgt gerade der Wahlkampf für Erwärmung. George Bush braucht außenpolitische Erfolge – und er hat in Jitzhak Rabin einen Partner gefunden, mit dem er sie erringen könnte.

Der gebeutelte Präsident und der neue israelische Premier begründeten an diesem Wochenanfang eine erfolgversprechende Interessengemeinschaft. Rabin trat, im Gegensatz zu seinem unerbittlichen Vorgänger Schamir, nicht nur verbindlich auf. Er erfreute seinen amerikanischen Gastgeber auch mit lange geforderten Präsenten. Die Aufhebung der Kontaktsperre zu Mitgliedern der Palästinensischen Befreiungsorganisation und der Baustopp für weitere israelische Siedlungen in den besetzten Gebieten zeugen von einem Zugewinn an Realismus in Jerusalem. Bush hat ihn mit der Freigabe von US-Kreditbürgschaften über zehn Milliarden Dollar für die Eingliederung israelischer Neubürger aus der Sowjetunion honoriert.

Die Schamir-Schäden im Verhältnis zwischen Washington und Jerusalem sind damit behoben. Doch haben die Araber ebenfalls Anlaß zur Freude? Noch blockieren hohe Hürden den Weg zum Frieden. Auch für den beweglichen Rabin hat Israels Sicherheit absoluten Vorrang. Trotzdem kann die arabische Seite mit größeren Hoffnungen als bisher in die nächste Runde der Friedensverhandlungen gehen. Israel hat erste Tabus gebrochen, der US-Präsident als Wahlkämpfer wird auf weiteres Einlenken drängen. Der amerikanisch-israelische Akkord von Kennebunkport verspricht einen neuen Anfang in Nahost.

D. B.