Kurt A. Körber, der am 10. August in Hamburg gestorben ist, war der Prototyp des dynamischen Unternehmers im Sinne von Joseph Schumpeter. Als er 1946 in Hamburg anfing, damals 37 Jahre alt,, besaß er nur eine Aktentasche voller Zeichnungen für den Bau von Maschinen. Heute beschäftigt die Gruppe seiner Firmen in Deutschland, Frankreich, Italien und Amerika 7000 Menschen, der Gesamtumsatz liegt bei anderthalb Milliarden Mark; der Konzern hat nie Verluste gemacht und benötigt keine Bankkredite.

Körber war zugleich ein genialer Erfinder. Mit fünfzehn Jahren hat er sein erstes Patent angemeldet, schließlich waren es an die zweihundert Patente – von der Hochfrequenz-Technik bis zum Maschinenbau. Er war zugleich ein entschiedener Sozialreformer, der in seinen Hauni-Werken ungewöhnliche Führungsmethoden und Mitentscheidungsrechte der Arbeitnehmer ausprobierte. Frühzeitig führte er Gewinnbeteiligung für seine Belegschaft ein. Körber war ein kulturell und politisch hochengagierter Stifter und Anstifter. Er hat viele Aufgaben früher erkannt als wir anderen – und lange bevor sie ins öffentliche Bewußtsein getreten sind. Aber dann hat er sich jedesmal ins Zeug gelegt. Er hat Wege gewiesen und Menschen gefördert, die Ideen zur Lösung der Aufgabe hatten und denen er die Kraft zur praktischen Verwirklichung zutraute.

Bei allem war er ein ganz und gar uneigennütziger Mann. Er hat sich keine Villa an der Alster oder an der Elbchaussee gekauft und keine Hochsee-Yacht gegönnt. Der ideelle und finanzielle Ertrag dieses Unternehmer-Lebens kam allein dem öffentlichen Wohl zugute. Dieser kecke, mundschnelle Berliner, der nach dem Krieg aus Dresden nach Hamburg kam, hat Unglaubliches und Vorbildliches geleistet: für seine Vaterstadt Hamburg, für das ganze Deutschland, für Verständigung unter führenden Menschen in der Welt – und für unzählige einzelne, von den Senioren in Hamburg-Bergedorf bis zu den heutigen Reformern in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, der früheren Sowjetunion.

Die Körber-Stiftung, alleiniger Inhaber der Körber AG, hat bisher für die Förderung von Kultur und Wissenschaft bereits über zweihundert Millionen Mark zur Verfügung gestellt.

Aber Körber hat keineswegs bloß finanziert, sondern mit mutiger Naivität dafür gesorgt, daß mit diesem Geld ein geistiger, ein sozialer oder auch ein politischer Ertrag zustande kam. "Die Gesellschaft fördern heißt auch, sie herauszufordern." Nach diesem Motto, einem seiner Wahlsprüche, hat er gehandelt.

Vor fünfzehn Jahren hat der frühere Bürgermeister Hamburgs, Herbert Weichmann, gesagt: "Ein einmaliger Mann, eine einmalige Leistung." Das ist wahr. Kurt A. Körber war ein guter Freund, ein hochherziger Wohltäter, ein großes Vorbild.

Helmut Schmidt