Kaum korrigiert von technischen Reaktionen, hat der Deutsche Aktienindex (Dax) in dieser Woche gleich mehrere sogenannte Widerstandslinien nach unten durchbrochen. Er liegt nunmehr deutlich unter seinem bisherigen Jahrestief vom 8. Januar und vierzehn Prozent unter dem diesjährigen Höchststand. Wieder hat sich die Abwärtsbewegung bei vergleichsweise geringen Umsätzen vollzogen. Der Hauptteil des Angebotes dürfte aus dem Ausland stammen, daneben haben die auf Baisse spekulierenden Akteure an der Deutschen Termin-Börse (DTB) zu dem Niedergang der deutschen Standardaktien beigetragen.

Als Gründe für den um sich greifenden Pessimismus werden der unbefriedigende Konjunkturverlauf, der wieder abgeschwächte Dollar sowie die negativen Vorgaben der Tokioter Börse genannt. Vom Zinsschock scheinen sich die Anleger etwas erholt zu haben. Es gibt sogar Investoren, die innerhalb eines Zeitraumes von zwölf Monaten am Rentenmarkt bessere Chancen sehen als bei den Aktien, wo von einer planvollen Anlagestrategie kaum noch gesprochen werden kann. Es wird verkauft, wo noch Gewinne realisiert werden können. Das dürfte auch auf einige Aktienfonds zutreffen, die sich auf diese Weise Liquidität beschaffen, um wieder handlungsfähig zu werden. Die private Bankenkundschaft hat sich längst vom Börsengeschäft zurückgezogen. Auf gelegentliche Kaufempfehlungen der Kreditinstitute reagiert sie kaum.

Vom Niedergang der Kurse ist kaum ein Sektor ausgenommen. Selbst gutverdienende Branchen, wie die Bauwirtschaft und die Warenhäuser, werden mit nach unten gezogen.

Bei genauerem Hinsehen lassen sich allerdings bemerkenswerte Unterschiede innerhalb der Baisse-Bewegung feststellen. So hat im Autobereich die BMW-Aktie seit ihrem diesjährigen Höchststand viel weniger verloren als die Papiere von Daimler. Schuld daran sind nicht nur Gerüchte um bevorstehende Kurzarbeit bei Mercedes und strukturelle Probleme, die sich aus der Einschränkung der Rüstungs- und Raumfahrtausgaben ergeben. Daneben spielt auch das größere Gewicht eine Rolle, das Daimler-Aktien im Dax haben: Wer den Dax nach unten drücken will, muß vorzugsweise Allianz, Daimler und Deutsche-Bank-Aktien veräußern. K. W.