Von Johannes Schweikle

Fritz Klein steht hemdsärmelig da. Das Sakko, das seinen Bauch gnädig verhüllen würde, hängt noch über der Stuhllehne. Die anderen vier Herren haben bereits ihre Krawatten zurechtgerückt. Fritz Klein schaut auf die Uhr, späht unsicher zum Eingang des Vip-Zelts. Er beugt sich zu einer Mitarbeiterin herunter. "Wir können nicht anfangen", sagt er, "Reinhold ist noch nicht da."

Fritz Klein ist deutschen Fernsehzuschauern als Sportreporter kein Unbekannter. Mittlerweile hat er eine eigene Fernsehagentur und produziert Sendungen wie die "Telewette", für die der 55jährige an diesem Nachmittag die Werbetrommel rühren will. Aber das geht nicht ohne den Jungspund, der mit einer Viertelstunde Verspätung auf die Derbybahn in Hamburg-Horn stürmt: Reinhold Beckmann.

Reinhold Beckmann, 36 Jahre alt, ist Sportchef beim privaten Fernsehsender SAT 1. Das wäre nicht weiter bemerkenswert, hätte er nur Sendungen wie die "Telewette" im Programm, bei der rund 500 000 Zuschauer sonntags nachmittags vom Fernsehsessel aus bei Galopprennen mitzocken. Aber Reinhold Beckmann hat dem Publikum neuerdings mehr zu bieten: Sein Sender präsentiert mit Beginn der neuen Saison – Anpfiff an diesem Wochenende – die Fußball-Bundesliga, und also läuft in Fußballdeutschland nun nichts mehr ohne Reinhold Beckmann.

SAT 1 will endlich den Rivalen RTLplus überholen. "Der Fußball ist dabei die Lokomotive", sagt Reinhold Beckmann. Den Ehrgeiz lassen sich die Gesellschafter – maßgeblich der Springer-Verlag und der Münchner Filmhändler Leo Kirch – etwas kosten. 700 Millionen Mark haben sie über ihre Münchner Sportrechteagentur ISPR an den Deutschen Fußballbund gezahlt, um SAT 1 für fünf Jahre die Übertragungsrechte an der Bundesliga zu sichern. Was Lizenzgebühren angeht, ist das der größte Deal in der deutschen Fernsehgeschichte.

Für Reinhold Beckmann ist das die Chance seines Lebens. Heute morgen hat er noch in Frankfurt mit den Herren vom Deutschen Fußballbund verhandelt. Jetzt sitzt er ganz entspannt da und hört den Galoppexperten zu. Das Kinn hat er in die Hand gestützt. Im Profil hat er das Gesicht eines aufgeweckten Studenten, der über den Sinn des Daseins nachdenkt.

Auch wenn Beckmann nicht vom Flugzeug ins Taxi gehechtet ist, frisiert er sein mittelblondes Haar mit Vorliebe so, als habe der Wind es ein wenig zerzaust. Er trägt eine filigrane Designerbrille und schon mal ein Sakko in Orange und Braun. So also sieht die Antwort des kommerziellen Fernsehens auf Heribert Faßbender aus. Dessen "Sportschau" ist tot. Künftig heißt es samstags abends um sechs "ran".