Und dann? Und dann? Und dann? – Herr im Himmel, das sind die besten Geschichten, diese Und-dann-Geschichten! (Fast so gut wie die Warum-Geschichten.) Zum Verzweifeln. Da holt man doch lieber gleich das Goldene Märchenbuch raus: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann, ja dann leben sie noch heute. Peng, fertig, Schluß, Licht aus.

"Als Kurt in den Tiergarten ging ..." – schon der Titel dieses fröhlichen Bilderbuchs von Harrie Geelen klingt außerordentlich – wie soll man sagen?: kinderzimmerfriedenbedrohend. Diese grübelerregenden drei Punkte ... Aber genau so kommt’s. Der kleine Kurt, ein sonderbarer Hans im Glück, tauscht bei den Tieren (die sich im Zoo natürlich tierisch langweilen) ein Spielzeug nach dem anderen ein: sein Dreirad gegen den Rüssel des Elefanten, seinen Papierdrachen gegen ein Hirschgeweih, und vom Krokodil bekommt er für seine Schleuder dessen gewaltigen Panzerschweif. Und nicht, daß Kurt diese Trophäen nun in eine große Tüte packte – nein, alles paßt ihm gleich wie angegossen. Im Gesicht den Rüssel, auf dem Kopf das wuchtige Geweih und hinter sich den Echsenschwanz herschleifend, so trabt er, in ein kleines Fabeltier verwandelt, stolz nach Hause. Aber dort fällt wer aus allen Wolken: ",Hilfe!’ rief seine Mutter." Ja, und dann ... Dann ist die Geschichte aus.

Verzweifelt blättert man noch weiter, doch da kommt nichts mehr. Da sind Harrie Geelen die leuchtend bunten Wasserfarben ausgegangen, da ist Kurt – der wie die kleine Anna in Geelens possierlicher Stiefelgeschichte "Nur die" ein bißchen an die poetischen Kinder Sempés erinnert –, da ist Kurt verschwunden. Und schon prasseln die Fragen: Hat ihn seine Mama nicht doch noch wiedererkannt? Hat sie ihn immer noch lieb? Wie will er jetzt essen, mit dem Rüssel? Was werden seine Freunde zu dem Geweih sagen? Was macht ein Elefant mit einem Dreirad, aber ohne Rüssel? Tut das weh? Und dann ...

Soll man so ein Buch empfehlen? Darf man Drei-, Vier-, Fünfjährige so ins Grübeln bringen? So ins Denken? Sind die Köpfe nicht noch viel zu klein? (Sind so kleine Köpfe, darf man nicht...)

Ja, lieber Leser, liebe Eltern, eine Gewissensfrage. Das heißt: Wann haben Sie eigentlich das letztemal – gedacht? Benedikt Erenz