Von Hanns-Bruno Kammertöns

Als die spanische Judokämpferin Miriam Blasko im Palau Blaugrana die Goldmedaille gewonnen hatte, wurde ihr so leicht ums Herz, daß sie begann, die Tribüne zu durchsteigen. Immer höher, immer weiter. Sie stolperte, erreichte die Loge und den König, aber sie kletterte weiter. Weinend, das Band, das ihre schwarzen Haare zusammenhielt, hatte sich längst aufgelöst. Dann wurde sie müde, blieb stehen, schaute nicht und sank einfach dem nächstbesten Landsmann in die Arme.

In dieser Nacht schoben sich die Menschen in Barcelona in noch engeren Trauben die Freitreppen der Avenida Reina Maria Cristina hinauf zum olympischen Berg. Aus dem Font Magic, dem magischen Brunnen, schössen die Wasserfontänen, rosa angestrahlt, zartgelb oder himmelblau. "Barcelona, Barcelona", dröhnte es aus den Lautsprechern, während Blumen aus Wasser emporstiegen und wieder in sich zusammenfielen. Momente kollektiven Glücks, das anspringend war und andauerte bis zum frühen Morgen. Dann wurde es ein wenig ruhiger, und die ersten selbstbemalten Pappschilder wurden wieder in die Höhe gehalten: "I need a ticket."

Diese Suche nach Eintrittskarten, sie durchzog die Olympischen Spiele von Barcelona, vor allem, als in der zweiten Woche die Wettbewerbe der Leichtathletik begannen. Insgesamt 600 000 Karten seien allein an die kooperierenden Firmen verteilt worden, ließen die olympischen Organisatoren verlauten. Ein Dank für die überwiesenen 675 Millionen Dollar aus den Werbeverträgen.

Barcelona, Tag eins nach den Olympischen Spielen. Am Hafen, wo Kolumbus auf einer Säule zum Meer hin zeigt, machen die ersten Kreuzfahrtschiffe und Windjammer ihre Leinen los. Klimatisierte Suiten, bis über die Toppen beflaggt mit Sponsorenwimpeln, die zeigten, wer hier wohnte. Schranken, die für gut zwei Wochen den Unterschied zwischen drinnen und draußen markierten, werden nun abgeräumt. Die Fähren nach Mallorca bestimmen wieder das Bild.

Olympia hat ein gutes Ende genommen. Keines der 25 spanischen Kriegsschiffe, der zum Schutz bereitstehenden Fregatten und Korvetten, keiner der Abfangjäger und Kampfhubschrauber mußte starten, damit das Olympische Feuer in Frieden verlöschen konnte.

Am Morgen waren dunkle Regenwolken zu photographieren, die ersten seit vierzehn Tagen. Bei den Tenören, es ging um die Folge ihres Auftritts, hatte es ein paar kokette Unstimmigkeiten gegeben. Aber zum Schluß kamen sogar die Sportler noch einmal zu ihrem Recht. Ursprünglich wollte man sie auf der Tribüne sitzen lassen, dann durften sie doch noch einmal hinunter.