Ostdeutschlands alte Kombinate müssen auf Gedeih und Verderb in die ehemalige Sowjetunion verkaufen. Doch deren Nachfolger können oder wollen kein Geld für die Maschinen aus der Ex-DDR ausgeben. An diesem Dilemma hat sich seit den letzten Tagen der DDR kaum etwas verändert. Bisher überbrückt die Bundesregierung das Problem durch Zeitkauf: Sie verbürgt Ostexporte aus den neuen Bundesländern, obwohl niemand damit rechnet, daß die GUS-Staaten jemals bezahlen können. Sie übernimmt quasi deren Rechnungen und verschiebt die Begleichung in die Zukunft. Ein gefährliches Verfahren, das nur in der Ausnahmesituation nach der Vereinigung gerechtfertigt war.

Das Modell Zeitkauf ist an seine Grenzen gekommen. Einmal ist in Bonn die Einsicht gereift, daß man nicht unbegrenzt Produkte auf Pump verschenken kann. Schon jetzt ist der Steuerzahler mit rund dreißig Milliarden Mark für das GUS-Geschäft im Obligo. Außerdem kommen neue Abschlüsse ohnehin kaum noch zustande, da die GUS-Unternehmen den Gegenwert ihrer Rechnungen oft nicht einmal in Rubel bezahlen können. Fest steht jetzt: Der Osthandel der neuen Bundesländer wird weiter schrumpfen. Und Bonn muß weiter Geld ausgeben, um diesen Rückgang und seine Folgen für den Arbeitsmarkt zu bremsen. Aber wenn sie schon unumgänglich sind, müssen Subventionen wenigstens offen ausgewiesen werden. pp