Die Gans

Wie sollte man sie nennen, all die Russen, Ukrainer, Kasachen und andere, die in Barcelona in einem Team um Medaillen kämpften? "Vereinte Mannschaft", lautete der offizielle Kunstname. Deutsche Sportreporter schufen ein anschaulicheres Etikett: die Sportler aus der GUS. Die meisten Journalisten sprachen das Kürzel korrekt G-U-S aus, nur eine Minderheit gebrauchte noch das Wort "Gus", was auf russisch "Gans" bedeutet. Das Sprachbewußtsein wächst also. Ein Musterbeispiel dafür ist der ARD-Reporter Oliver Frick. Er nannte die Vereinte Mannschaft beim Handballspiel gegen Schweden einfach "die Sowjets", bemerkte aber seinen Ausrutscher, korrigierte sich sofort: "Ich meine, die ehemaligen Spieler aus der Sowjetunion."

Linkshänder

Wird der amerikanische Präsident die Wahlen erneut gewinnen? Nach Umfragen hat der demokratische Herausforderer Bill Clinton einen deutlichen Vorsprung. Ob der republikanische Parteitag Anfang nächster Woche eine Wende bringt, vermag niemand vorauszusagen. Vielleicht bietet da ein Orakel mehr Aufschluß als die Demoskopen: die Hände der amerikanischen Staatsoberhäupter. Zwar läßt sich nicht genau bestimmen, wie viele zwei linke Hände hatten, fest steht aber, daß vier Präsidenten Linkshänder waren: James Garfield, Harry Truman, Gerald Ford und George Bush. Die ersten drei wurden nicht wiedergewählt.

Bessere Zeiten

Katholische Toleranz in Fragen der Sexualität – eine absurde Idee in der Nähe des polnischen Papstes? Falsch. Don Augusto Mozetti aus dem norditalienischen Novara hat jetzt die Wiedereröffnung der case di tolleranza, der Bordelle, die unmittelbar nach dem Krieg verboten wurden, gefordert. Denn: die Straßenprostitution nähme überhand. Natürlich löste der Vorschlag Polemiken aus. Aber schon meldete sich Don Giacomo Ceretto, Gemeindepfarrer Roms, in der katholischen Monatsrevue Trentagiorni zu Wort: Die Prostituierten seien "viel christlicher", er nenne sie "meine Maria Magdalenas". Entspannung an der Sexfront im Zeitalter von Aids? Das wohl nicht. Eher Besinnung auf alte, bessere Zeiten. Aus einem mittelalterlichen Handbuch wird zitiert, wonach Huren und ihre Klienten in der Kirche dann ihren Platz haben, wenn die Lust nicht wächst.