Immer diese Verdrossenheit der Bürger, als ob es dafür Gründe gäbe.

Die Parteien, voran der Bundeskanzler, haben sich vehement dagegen verwahrt, dies weiter zu behandeln, um nicht zu sagen: hochzuspielen. So wäre man ja bereit, ein Weilchen davon zu schweigen. Doch leider kam unterdessen die neueste Nachricht aus dem Parteienstaat, diesmal aus der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Sie verdient Beachtung, denn vielleicht erklärt sie, warum auch abgebrühte Bonner manchmal über die Chuzpe der Parteien ins Staunen kommen.

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Der frühere thüringische Ministerpräsident Josef Duchač, ein Vertreter der Block-CDU, der wegen seiner mangelnden Stasi-Distanz zum freiwilligen Amtsverzicht "überredet" worden war, wird Leiter der KAS-Außenstelle in Lissabon.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete, dieses Büro hätte im Rahmen des Sparprogramms eigentlich geschlossen werden sollen. Schließlich wolle die Stiftung sich verstärkt um die Aufbauarbeit in den neuen Ländern und in Osteuropa kümmern. Das klang plausibel. Wurde für Duchač alles geändert?

Schon hat die mit Steuergeldern finanzierte Stiftung dementiert: Lissabon habe man mitnichten schließen wollen, im Gegenteil, im Zeichen von Maastricht schon gar nicht. Außerdem sei Duchač im normalen Ausschreibungsverfahren zum Zuge gekommen, wenngleich offenbar vorzugsweise, denn es bestand ja die Absicht, diesmal einen Ostdeutschen zu berufen. Noch ein guter Grund.

So hat die parteinahe Stiftung in ihrem Dementi, daß hier etwa ein politischer Versorgungsfall mit öffentlichen Geldern bereinigt worden sei, den Europa-Gedanken mit der "Ossi"-Quote geradezu idealtypisch verknüpft. Ein Meisterwerk.