Von Thomas von Randow

W er hätte das nicht schon erlebt. Du sitzt vor der Glotze und diddelst dich per Fernbedienung durch die Langeweile auf den Kanälen; doch da: ein Symphoniekonzert (ausnahmsweise einmal vor ein Uhr nachts): "Diidamdamdihadaa damdamdiadiadiadaa..." Du kennst jeden Ton, aber was ist das nur? Mozart, nein, Mozart nicht, vielleicht Schubert, Schumann oder Mendelssohn? Vergiß es; bei der Absage wirst du’s erfahren. Denkste. Kameramann, Cutterin, Beleuchter – alle rauschen über den Bildschirm, nichts über die Musik.

Tagelang klingelt es im Gehirn "Diidamdamdihadaa...", und wenn du glaubst es los zu sein – unter der Brause kommt es garantiert wieder, "Diidamdamdihadaa..." – es ist zum Verzagen.

Dabei gibt es längst die Erlösung von diesem Leiden pathologischer Musikliebhaber, seit siebzehn Jahren schon, zu beziehen allerdings nur im Buchladen der British Library zu London, ursprünglich für sieben, heute für dreißig britische Pfund: Denys Parsons: "The Directory of Tunes and Musical Themes".

Wie das heilsame Buch zu benutzen ist, das mehr als 10 250 Motive klassischer Musik, dazu 3900 Volkslieder- und Schlageranfänge registriert, hat Parsons auf einer knappen Seite beschrieben. Es ist kinderleicht.

Die Tonfolge wird mit Hilfe von nur drei Buchstaben charakterisiert: Für den ersten Ton male ein Sternchen, ist der nächste Ton höher als der vorhergehende, schreibe ein U (für up), ist er tiefer, ein D (für down), hat er die gleiche Höhe, wird ein R (repeat) notiert. So geht es weiter. Notenwerte, Pausen, Intervalle werden schlicht ignoriert. Das ist alles.

Beispiel: Die Übertragung des Länderspiels läuft, eine Mannschaft singt schon, aber von welchem Land ist sie? Kein Problem: Wir notieren die Melodie nach Parsons’ Vorschrift: *UUDUDDDUUDDDDUD (nicht vergessen: der erste Ton ist das Sternchen); zur besseren Übersicht wird die Buchstabenfolge in Fünfergruppen aufgeteilt: *UUDUD DDUUD DDDUD. So sind die Motive und Liedanfänge im 252seitigen Register notiert; blitzschnell ist der passende Eintrag gefunden: Haydn str quartet/77 in C "Emperor", also singen die Fußballer Haydns Kaiserquartett? Nein, daneben steht noch "verwendet für die deutsche Nationalhymne" – die deutsche Mannschaft spielt also gleich. Übrigens das oben erwähnte "Diidamdamdihadaa..." wird *DUUDD DURDR UUUUD codiert und entpuppt sich als der erste Satz von Beethovens Achter Sinfonie.