Mit Sonderangeboten will Thailand nach den politischen Unruhen im Mai wieder mehr Touristen ins Land locken. Wer eingehend Preise vergleicht, kann so billig wie nie in das "Land der Freien" reisen.

Als schwarzes Jahr könnte 1992 in die Geschichte des thailändischen Tourismus eingehen. Das jedenfalls befürchten viele Hoteliers im "Land der Freien". Zum einen haben die politischen Unruhen im Frühjahr dieses Jahres dem Image des südostasiatischen Landes schweren Schaden zugefügt und die Belegungszahlen vieler Hotels drastisch fallenlassen. Zum anderen sorgt ein landesweiter Bauboom sondergleichen vor allem in Bangkok für einen ruinösen Wettbewerb unter den Beherbungsbetrieben.

Allein in diesem Jahr kommen in der thailändischen Metropole rund 8000 zusätzliche Zimmer auf den Markt. Nächstes Jahr sollen es noch einmal rund 10 000 Räume sein, die belegt werden müssen. Hinzu kommen Probleme, die dem südostasiatischem Urlaubsziel schon länger zu schaffen machen: Umweltprobleme, Prostitution und Korruption sowie eine zunehmende Kriminalität.

Nach einigen fetten Jahren, in denen sie gut verdient haben, müssen sich viele Hoteliers mit einer Auslastung von zwanzig bis dreißig Prozent zufriedengeben – und das bei Zimmerraten, die kaum noch kostendeckend sind. Im einst idyllischen, inzwischen heruntergewirtschafteten Badeort Pattaya stehen bereits mehrere Hotels zum Verkauf.

Aufgrund des Golfkrieges und der weltweiten Rezession waren die Zahlen im Tourismusgeschäft, dem wichtigsten Devisenbringer des Landes, schon im letzten Jahr weit unter den Erwartungen geblieben. So gingen die Ankunftszahlen um rund vier Prozent auf 5 086 899 zurück, darunter 247 031 Deutsche.

Das laufende Jahr, als "Women’s Visit Thailand Year" propagiert, sollte eigentlich verlorengegangenen Boden wieder wettmachen. Nun aber gehen viele davon aus, daß die Zahl der Besucher mit etwa 4,7 Millionen um rund 1 Million hinter dem ursprünglich gesteckten Ziel zurückbleibt und dem Land so anderthalb Milliarden Mark an Devisen verlorengehen.

Für deutsche Urlauber wird Thailand deshalb so billig wie noch nie. Denn der Preiskampf beschränkt sich nicht nur auf die thailändische Hotellerie. Auch im Flugverkehr nach Südostasien kämpfen die internationalen Airlines mit harten Bandagen um Marktanteile. Die Folge: Die Flugpreise purzeln.

Profitieren können von dieser Lage vor allem Individualreisende, die sich im Reisebüro günstige Arrangements zusammenstellen lassen. Besonders günstig: Die Stopover-Angebote der Fluggesellschaften. Die Dumpingpreise schlagen sich in den Winterkatalogen der Veranstalter noch nicht nieder, weil diese ihre Preise schon im Frühjahr kalkuliert haben. Angesichts der derzeit schlappen Nachfrage lohnt auf jeden Fall auch der Anruf beim Last-Minute-Schalter, wo nicht zu verkaufende Pauschalreisen zwei Wochen vor dem Abflug teilweise fünfzig Prozent billiger als im Katalog verkauft werden. Fred Stein