Die Geldträume von Hermann Otto Solms scheinen zu zerrinnen. Der FDP-Schatzmeister, der sich schon als Einheitsgewinnler fühlen durfte, wird nicht nur sehr viel weniger Vermögen von seinen DDR-Blockflöten-Schwestern erben als erhofft, er wird möglicherweise gar nichts bekommen. Mindestens 24 Grundstücke und Häuser in der ehemaligen DDR (Wert: zwischen zwanzig und dreißig Millionen Mark) beansprucht Solms für die FDP als Erbin der beiden DDR-Parteien LDPD und NDPD, die 1990 mit der FDP fusionierten. Doch ehe Solms die im SED-Unrechtsstaat angehäuften Vermögenswerte seiner pseudoliberalen Exschwestern übernehmen kann, muß die "Unabhängige Kommission zur Überprüfung der Parteivermögen" (UK) feststellen, ob die Vermögen der ehemaligen DDR-Parteien überhaupt rechtmäßig erworben waren. Nach dem bisherigen Prüfergebnis ist es ziemlich sicher, daß die FDP nur ein einziges Grundstück bekommen wird. UK-Sekretariatsleiter Christian von Hammerstein gab sich der Berliner Morgenpost gegenüber jedenfalls sehr skeptisch: "Es sieht schlecht aus für die FDP." Noch schlechter sieht es aus, wenn der frühere LDPD-Chef Manfred Gerlach recht behält. Der Zeit berichtete er, die Fusionen der Ost- mit den West-Liberalen seien durch Beschluß der östlichen Zentralvorstände erfolgt. Damit aber wären sie nichtig, denn Auflösung, Umbenennung oder Zusammenschlüsse von Parteien müssen von den Delegierten eines Parteitags beschlossen werden – und Solms könnte seine Erbschaftspläne begraben.

Entwicklungsminister Carl-Dieter Spranger hat vorerst nicht die Absicht, Namibia, die ehemals deutsche Kolonie in Südwestafrika, abzustrafen, wie behauptet wurde. Anlaß für solche Berichte war die Nachricht, Namibia wolle in Frankreich ein Regierungsflugzeug für vierzig Millionen Mark als Gegenleistung für französische Hilfsmaßnahmen zum Schutz der namibischen Fischereigebiete kaufen. Der SPD-Abgeordnete Ingomar Hauchler meint zwar, das Geld für den Regierungsjet wäre sinnvoller für die Bekämpfung der verheerenden Dürrekatastrophe in Namibia angelegt. Gleichwohl hält er eine Abstrafung für falsch. Hauchler süffisant: "Ein Entwicklungsland darf kein Regierungsflugzeug haben, denken nun offenbar einige Verantwortliche in Bonn, die sich aber selbst mit einem repräsentativen Mercedes der S-Klasse oder dem 7er BMW zum Flugzeug der Bundeswehr bringen lassen und zur Auslandsreise starten." Im Entwicklungsministerium gibt es zu dem Vorgang keine offizielle Stellungnahme. Allerdings wird bestätigt, daß es wegen Namibias Regierungsjet Number One gewisse Irritationen gegeber habe. Deshalb wolle man im Interesse des effizienten Umgangs mit deutschen Entwicklungsgeldern darüber auch beim nächsten Besuch in Namibia sprechen. Von einer Kürzung der Hilfe für 1993 könne jedoch keine Rede sein. Über neue Mittelzusagen wird sowieso erst im kommenden Jahr verhandelt.

Während die wissenschaftlichen Institute in den neuen Bundesländern finanziell ausgehungert werden und zumindest teilweise vom Aus bedroht sind, steht in Bayern eine staatlich finanzierte Neugründung bevor. An der Uni Augsburg soll ein neues Institut für Korrelation und Magnetismus (IKM) gegründet werden. Nach Auskunft der Universität soll sich das Institut mit Grundlagenforschung im Materialbereich beschäftigen. Nähere Einzelheiten mochte man noch nicht preisgeben, da die Entscheidung über die Förderungswürdigkeit der neuen Einrichtung durch den Bonner Forschungsminister Heinz Riesenhuber noch aussteht. Der aber steckt in finanziellen Nöten. Allerdings muß er auf seinen Koalitionspartner, die CSU, Rücksicht nehmen. Die Institutsgründer wissen die bayerische Staatsregierung hinter sich, und die sitzt mit Finanzminister Theo Waigel auch in Bonn dichter an der Geldquelle als Riesenhuber. Der CSU-Vorsitzende Waigel ist zudem in dem Augsburg benachbarten Wahlkreis Neu-Ulm zu Hause, wo er mit 63,1 Prozent der Erststimmen unangefochtener Direktkandidat ist. Ein paar zusätzliche Subventionsspritzen in die Region werden dem Wahlkreis des Bundesfinanzministers sicher nicht abträglich sein. Bevor jedoch überhaupt ein Pfennig fließt, muß der Wissenschaftsrat in Köln im Auftrag des Forschungsministeriums prüfen, ob das künftige Institut überhaupt förderungswürdig ist. Immerhin müßte sich Riesenhuber auf eine Zeit von zunächst zehn Jahren festlegen, in der das IKM von ihm personell und sachlich mitfinanziert werden muß. Das Urteil steht noch aus. Da das Land Bayern bereit ist, Geld zu geben, stehen die IKM-Aktien günstig, zumal es auch im Wissenschaftsrat schon ein positives Vor-Urteil gibt. Ein Ratsmitarbeiter meinte, die Institutsgründer, prominente Professoren, hätten "eine gewisse Überzeugungskraft". Allein gegen Bayern, Theo Waigel und deutsche Professoren wird Riesenhuber kaum einen Dreifrontenkrieg anzetteln wollen. Wolfgang Hoffmann