Der Gewinneinbruch bei Mannesmann im ersten Halbjahr hat die Börsianer überrascht. Es war zwar mit einem schlechteren Ergebnis als in der gleichen Zeit des Vorjahres gerechnet worden, aber nicht mit einem Gewinnrückgang um 89 Prozent. Nicht nur der Mannesmann-Kurs hat darunter gelitten, sondern praktisch alle Standardaktien.

Verkäufer waren vor allem Ausländer. Das ist keine Überraschung, denn beispielsweise in London kursieren negative Analysen deutscher Großunternehmen. Zielscheibe solcher Beurteilungen sind vorzugsweise Daimler und die Deutsche Bank, deren Halbjahresbericht nicht nur im Ausland enttäuscht hat.

Die Bereitschaft inländischer Anleger, die angebotenen Aktien zu kaufen, ist äußerst begrenzt. Die meisten Banken raten ihrer privaten Kundschaft angesichts der sich verschlechternden Konjunkturlage davon ab, die gesunkenen Kurse zum Einstieg zu nutzen. Mit weiteren Rückschlägen müsse gerechnet werden, heißt es. Unter diesen Umständen ist es erstaunlich, daß sich der Deutsche Aktienindex (Dax) zu Beginn dieser Woche noch immer oberhalb der Marke von 1500 bewegt hat. Druck kam in den letzten Tagen immer wieder von der Deutschen Termin-Börse (DTB), wo weiterhin à la baisse spekuliert wird, mithin die Pessimisten weiterhin den Ton angeben.

Etwas gebessert hat sich die Stimmung auf dem Rentenmarkt. Obwohl der aktuelle Geldmarktsatz zeitweise über dem Lombard lag, wird vorerst nicht mit steigenden Zinsen auf dem Kapitalmarkt gerechnet. Gleichzeitig wird aber aus dem Hause der Deutschen Bundesbank vor voreiligem Zinsoptimismus gewarnt. Einige Banken raten ihrer Kundschaft zum Kauf von festverzinslichen Papieren, wobei über die günstigste Laufzeit durchaus unterschiedliche Vorstellungen bestehen.

Etliche Kunden verlagern im Hinblick auf die Zinsabschlagsteuer ihre Portefeuilles jedenfalls zum Teil auf Konten in Luxemburg. Da die "Steuerflüchtlinge" jedoch in Mark-Papieren bleiben, entsteht für den deutschen Kapitalmarkt keine neue Situation. Die hohe Differenz zwischen dem Zins in den USA und in Japan einerseits und dem in Deutschland andererseits lockt ausländisches Kapital an. Wenngleich es nicht so viel ist, wie Experten erwarten, könnte es durch das reichliche Angebot für den deutschen Rentenmarkt und damit für den langfristigen Zins eine Entlastung geben, ohne daß die Bundesbank mit eigenen Maßnahmen tätig werden muß.

K.W.