Autor des Folgenden bewirbt sich hiermit um das Stipendium der Villa Massimo in Rom. Er gibt zwar zu, daß er die vom Innenminister geplante Ablösung der Massimo-Direktorin Elisabeth Wolken zunächst begrüßt hat, daß ihm nun aber, nach dem Plädoyer des Malers Hans Peter Reuter in der FAZ sowie einer schneidenden Glosse des Kunstredakteurs Dr. Eduard Beaucamp ebenda, die Verwerflichkeit seiner Freude klar vor Augen steht. Er hat die Kritik von Schriftstellern wie Herta Müller, Richard Wagner, Klaus Modick, Hanns Josef Ortheil, Gerhard Köpf (u.a.) an der Amtsführung Frau Wolkens richtig gefunden, ohne zu bedenken, daß einige dieser Kritiker "aus dem Osten" kommen. "Kaum haben sie das Paradies erreicht, rebellieren sie dagegen", schreibt Beaucamp. Man schenkt diesen Brüdern das Paradies, und was, anstatt "die Rom-Zeit als wunderbares Lebensgeschenk zu empfinden", ist der Dank? Undank. "Man darf das einen Skandal nennen." Darf man. Und wer, wenn nicht die durch Massimo-Aufenthalte massimokundige FAZ dürfte eher?

Autor Dieses bewirbt sich, weil er erstens fast so gut malen kann wie der Kachel-Maler Reuter; weil ihm zweitens, ebenso wie Reuter, "Anspruchsdenken" fremd ist und "echter Notstand" vertraut; weil er drittens mit Herta Müller weder verheiratet ist noch war und folglich gegen das Etikett "Ex-Ehemann", das Reuter auf Wagner münzt, zuverlässig gefeit ist; weil ihn viertens die Aussicht auf "totale Freiheit und Alimentierung" lockt und weil er, fünftens, nicht "aus dem Osten" kommt.

Autor des Vorhergehenden führt als mildernden Umstand zugunsten seiner Bewerbung ins Feld, daß wir alle vom Osten bedroht sind. Ist nicht der Osten in einem jeden von uns? War er nicht auch in Rolf Dieter Brinkmann, einem frühen Massimo-Kritiker, der zwar aus Köln kam, dessen Physiognomie aber etwas dumpf Ostisches hatte? Steckt nicht der Osten (Undank, Anspruchsdenken, mangelnde Italienisch-Kenntnisse) in all dieser jahrzehntelangen Massimo- und Wolken-Kritik, die nun ihr schnödes Ziel erreicht zu haben scheint? Ach, der Osten! Er wirft sogar auf Arkadien seinen finsteren Schatten. Nur der Süden und das Leben im Kreise "dankbarer Künstler" kann uns retten. Nach Rom! Nach Rom! Bitte! Finis