"City-Netz", so heißen seit kurzem 22 Mitfahrzentralen in Deutschland: Sie haben sich zusammengetan, um gegen ihr Arme-Leute-Image anzugehen. Ihr Ziel: guter Service durch EDV.

Das Vorurteil lautet doch, Nutzer von Mitfahrzentralen seien langhaarige Typen, die schrottreife Kadetts fahren", sagt Hartmut Neusitzer von der Hamburger City-Netz-Mitfahrzentrale. Sie gehört zu den größten in Deutschland und vermittelt pro Woche 1200 bis 1500 Fahrgemeinschaften.

Die umsatzstärksten Mitfahrzentralen, darunter Berlin, München und Köln, haben sich nun zu City-Netz zusammengeschlossen und sind dabei, ihr Image aufzupolieren. Immer häufiger würden auch Geschäftsleute und Kurierfahrer ihre Golfs, Passats und BMWs zur Mitfahrt anbieten, erklärt Neusitzer. Doch das allein reicht nicht, um Kunden zu überzeugen.

Deshalb haben sie in eine Computeranlage investiert, die sich kleinere Mitfahrzentralen – etwa siebzig gibt es bundesweit – nicht leisten können. Die EDV löst Karteikarten und Stecktafeln ab, über die bislang Fahrer und Mitfahrer zueinandergebracht wurden, "wobei es manchmal chaotisch zuging", sagt Neusitzer.

Mit der EDV klappt die Vermittlung schnell und zuverlässig. Sie bietet dem Fahrer außerdem den Vorteil, daß er bei seiner City-Netz-Filiale gleich die Rückfahrt anbieten kann, was bisher nicht möglich war. Und der Mitfahrer? Er kann vor Ort seine Rückfahrt buchen. Die City-Netz-Filialen geben die Wünsche untereinander weiter.

Doch der beste Computer kann manchmal nicht helfen, wenn jemand in der Nacht fahren will oder zu ausgefallenen Orten wie Siegen oder Koblenz, weil so etwas selten geboten oder gesucht wird. Die Renner dagegen sind Hannover und Berlin. "Da will offenbar jeder mal hin", sagt Neusitzer.

Die Preise haben sich trotz der Investition nicht verändert, sie betragen weniger als die Hälfte der Bahntarife: Der Fahrer bekommt sechs Pfennig pro Kilometer, die Mitfahrzentrale dreieinhalb Pfennig – als Vermittlungsgebühr. Das macht von Hamburg aus nach Berlin 28 Mark, nach München 70 Mark und nach Florenz 120 Mark. Für zwei Mark zusätzlich bietet City-Netz eine Unfallversicherung an. Für fünf Mark und eine Kaution von hundert Mark kann auch ein Kindersitz gemietet werden; die Kaution gibt es am Zielort zurück, wenn der Sitz wieder abgegeben wird.